Ushuaia Punta Arenas Torres del Paine El Calafate Mendoza Santiago Zurück

 

Durch Patagonien und zurück nach Santiago – Argentinien, Chile

(27.01.04 – 15.02.03)

 

Ushuaia

Der Direktflug von Buenos Aires nach Ushuaia dauert immerhin 3 ½ Stunden, was die enormen Dimensionen dieses Land wieder einmal verdeutlicht. Sicherheitshalber habe ich meine Fließjacke mit ins Handgepäck getan. Die kann ich bei der Ankunft in Ushuaia auch direkt gebrauchen. Die Temperaturen sind doch sehr gemäßigt, obwohl wir eigentlich Sommer haben. Von Buenos Aires habe ich telefonisch eine Hosteria in Ushuaia reserviert. In der Hochsaison ist dies auch sehr empfehlenswert, es gibt nicht viele preiswerte Ausweichmöglichkeiten „am Ende der Welt". Wir beziehen ein einigermaßen gemütliches Zimmer in der Hosteria Mustapic mit Gemeinschaftsbad, welches von einer aus Kroatien stammenden Familie betrieben wird (70 Pesos pro DZ). Am Abend machen wir uns zu einer ersten Ortsbesichtigung auf. Schön ist, dass es hier im tiefen Süden Südamerikas bis ca. 22.00 Uhr hell ist. Die Hauptattraktion Ushuaias ist in gewisser Weise die Tatsache, dass dies die südlichste Stadt der Welt ist. Wir befinden uns auf 55 ° südlicher Breite. Transformiert auf die Nordhalbkugel entspricht dies dem Süden Dänemarks. Trotz der geschützten Lage am Beagle-Kanal ist das Klima aber eher mit Norwegen zu vergleichen. Anders als in Europa fehlt hier der wärmende Einfluss des Golfstroms.

Der Ort selber sieht ziemlich wüst zusammen gezimmert aus und ist in den letzten Jahren durch den boomenden Antarktistourismus stark gewachsen. Rein aus Interesse schlendern wir am Hafen entlang und bleiben an einer Tafel stehen, auf der Plätze für eine Antarktiskreuzfahrt angeboten werden. Wer Zeit und etwas „Kleingeld" mitbringt, kann hier auf Stand-By Basis recht günstig einen Restplatz für eine solche Expedition erwischen, denn 90 % aller Kreuzfahrten starten von Ushuaia aus. Für rund 2500 US Dollar hätten wir dabei sein können. Die Idee an sich finde ich verlockend, doch für eine ad hoc Spritztour ist das natürlich erheblich zuviel Geld.

Stattdessen machen wir am nächsten Tag eine sehr bodenständige und preiswerte Tageswanderung im Nationalpark Tierra del Fuego. Mit einem gecharterten Minibus lassen wir uns zu dem 12 km außerhalb der Stadt liegenden Nationalpark bringen. Wir vereinbaren, dass uns der Minibus um 18.00 Uhr an der Cafeteria des Parks wieder abholt. Wir laufen zuerst den Pampa Alta Trail, der durch den "patagonischen Urwald" bis zu einer Anhöhe führt. Wenn man mit dem Wetter Glück hat, kann man eine schöne Aussicht auf die umliegenden Berge und den Beagle Kanal genießen. Das Wetter an diesem Tag ist meistens bedeckt und kühl, doch bleibt es trocken. Aufgrund des rauen Klimas liegt die Baumgrenze hier nur bei spärlichen 600 m. Mitten im Sommer sehen wir in den höheren Lagen noch viele Schneefelder. Immerhin erreichen die Berge im Süden Feuerlands eine Höhe von 2500 m. Weiter nördlich besteht Feuerland aus öder Grassteppe, die sich lediglich für die Schafzucht eignet.

Der Weg führt über Stock, Wurzel und Stein durch einen sehr urtümlich aussehenden Wald bis runter zum Beagle Kanal. Auf dem Weg dorthin sehen wir die zerstörerischen Auswirkungen eines Biberbaus. Ein ganzes Areal ist von Bibern regelrecht verwüstet worden. Abgestorbene Bäume stehen in einem aufgestauten kleinen See. Ringsherum sehen wir die von den Bibern durchgenagten Baumstümpfe aus dem Boden ragen.

Als zweiten Trail gehen wir an diesem Tag einen ca. 8 km langen Küstenwanderweg, der mehr oder weniger direkt am Meerufer entlang läuft. Dabei geht es aber ständig bergauf und bergab, so dass wir nicht sehr schnell vorankommen. Immer wieder öffnen sich Blicke auf die schneebedeckten Berge auf der anderen Seite des Beagle Kanals, der schon (wieder) zu Chile gehört. Trotz einer Strecke von nur 14 km kommen wir erst um 16.00 Uhr in der kleinen Cafeteria nahe eines Campingplatzes an. Ein heißer Café und eine Bratwurst vom Grill schmecken nach dieser nicht ganz einfachen Wanderung besonders gut. Wie vereinbart taucht zwei Stunden später unser Minibus auf, der uns und ein paar wenige andere Wanderer nach Ushuaia zurückbringt. In der Stadt angekommen kaufen wir die so ziemlich letzten Bustickets nach Punta Arenas für übermorgen. Eigentlich wollten wir schon morgen weiterfahren, doch die beiden in Frage kommenden Busse sind bereits ausgebucht. Es gibt halt nicht übermäßig viele Verkehrsverbindungen, wenn man sich am Ende der Welt befindet.

Im Wald Feuerlands

Im Nationalpark Tierra del Fuego

Den überraschend gewonnenen Tag in Ushuaia verwende ich für eine Bootstour auf dem Beagle Kanal, die unerwarteterweise zu einem echten Highlight wird. Viel trägt dazu bei, dass heute ein Tag mit Super-Sonnenscheinwetter und lauschigen 16 °C ist. Laut Aussage von unserem Guide ist dies erst der zweite richtig sonnige Tag in diesem Sommer. Glück gehabt!

Eine Gruppe von 15 Passagieren besteigt am Morgen das kleine Motorboot „Patagonia". Wir tuckern in den Beagle Kanal hinaus und steuern als erstes einen Felsen im Wasser an, den sich friedlich Seelöwen und unzählige Kormorane teilen. Ich bin fasziniert wie dicht wir an den Felsen heransteuern können, ohne dass sich die Tiere gestört fühlen. Die Seelöwen sind fast zum Greifen nahe. Auch sie freuen sich über die seltenen, wärmenden Sonnenstrahlen.

 

Seelöwen beim Sonnenbad im Beagle Kanal

Seelöwen beim Sonnenbad

Weiter geht die Fahrt zu einer kleinen Insel auf dem ein weiß-rot gekringelter Leuchtturm steht. Nachdem jeder sein Foto machen konnte, wenden wir und steuern die kleine Bridges Insel an, wo wir einen einstündigen Landgang unternehmen. Ich sehe viele mir unbekannte Blumen und Gräser auf der baumlosen Insel. Die Luft ist unheimlich klar und frisch. Zu beiden Seiten der kleinen Insel kann ich die schneebedeckten Berge am jeweils anderen Ufer aufragen sehen. Gerne wäre ich bei dem tollen Wetter noch länger auf der Insel geblieben und hätte die Aussicht und die Atmosphäre genossen. Auf der Rückfahrt sehe ich Albatrosse majestätisch durch die Lüfte schweben. Sie haben hier ihr Sommerquartier, während ich brütende Albatrosse Anfang November bereits auf der Otago Halbinsel in Neuseeland gesehen habe. Mit nur wenigen Flügelschlägen gleiten sie bisweilen ganz dicht über der Wasseroberfläche dahin. Ob einer dieser Vögel vorher in Neuseeland gewesen ist, frage ich mich beim Zuschauen. Ich genieße nur den Anblick und lasse die Kamera im Rucksack. Viel zu früh für meinen Geschmack kommen wir gegen Mittag wieder im kleinen Hafen von Ushuaia an. Den Nachmittag verbringe ich größtenteils in einem Internetladen, denn ein Reisebericht an die daheimgebliebenen Eltern und Freunde ist mal wieder fällig.

Als Entschädigung für das frühe Aufstehen am nächsten Morgen (5.30 Uhr) werden wir mit einem tollen Sonnenaufgang entlohnt. Das Licht der aufgehenden Sonne wird an einer tiefhängenden Wolkenschicht reflektiert und färbt das Wasser im Beagle Kanal in einen zarten Rotton. Wir frühstücken noch schnell in unserer kroatischen Familienpension und marschieren darauf mit unseren Rucksäcken zum Abfahrtsort des Busses nach Punta Arenas. Das Gefährt füllt sich komplett mit Backpackern und Globetrottern, von denen wir einige noch auf unserem weiteren Trip durch Patagonien wieder sehen werden.

Nach dreistündiger Fahrt muss der Bus in dem Küstenort Rio Grande gewechselt werden. Dadurch entsteht eine Zwangspause. Rio Grande zeichnet vor allem sich dadurch aus, dass es sehr kalt und windig ist. Zu Beginn der Fahrt sind wir noch an einem See vorbeigekommen und sind durch arg zerzaust aussehende Wälder gefahren. Doch nun geht die Fahrt durch offene Grassteppe, die an Trostlosigkeit kaum zu überbieten ist. Man darf sich bei dem klangvollen Namen Patagonien nichts vormachen. Der überwiegende Teil Patagoniens ist nur brutales Ödland über das der berühmt-berüchtigte Wind pfeift. In den Reiseprospekten und Bildbänden wird diese andere Seite Patagoniens meist nur am Rande gestreift, wenn überhaupt.

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Holzhaus in der Einöde im Norden Feuerlands

Irgendwo im Nichts treffen wir auf die chilenisch-argentinische Grenze. Die argentinische Grenzkontrollstation und die chilenische Einreise stehen völlig separat gut 15 km voneinander entfernt einsam in der Landschaft. Unser Bus ist praktisch nur mit ausländischen Touristen gefüllt, d.h. der einzige Zöllner auf argentinischer Seite bekommt viele verschiedene Pässe zu sehen. Dementsprechend geht es nur sehr schleppend voran. Derweilen frieren wir uns draußen vor der Zollbude die Ohren ab. Alles in allem braucht unser Bus ganze 2 Stunden, um diese abgelegene Grenze zu passieren. Auf ungeteerter Schotterstraße rumpeln wir weiter Richtung Punta Delgada. An dieser Stelle überquert eine einsame Fähre die Magellanstraße. Als wir das andere Ufer erreichen, betreten wir wieder südamerikanisches Festland. Noch immer ist der Weg weit, und es ist bereits später Nachmittag.

Punta Arenas

Auf einer gut ausgebauten und geteerten (!) Landstraße geht es nun zügig voran. Dennoch ist es bereits kurz vor 21.00 Uhr als wir schließlich die südlichste chilenische Großstadt erreichen. Wir quartieren uns wieder in einer einfachen Familienpension am Stadtrand ein. Als Highlight gibt es eine Fernsehecke, wo wir beim Zappen auch die Deutsche Welle finden. Nach Monaten der Abwesenheit von Zuhause ist dies eine willkommene Abwechslung.

Der kommende Tag geht vollständig für organisatorische Dinge drauf, weswegen wir uns entscheiden, 3 Nächte in Punta Arenas zu bleiben. Am Morgen laufen wir kreuz und quer durch die Stadt, bis wir endlich eine Lavenderia gefunden haben, die unsere Klamotten wieder in Ordnung bringt. Die Organisation des Ausflugs zu einer der beiden Pinguinkolonien frisst auch viel Zeit. Holger entscheidet sich der Sparsamkeit halber nur zur „Pingüineria" Seno Otway zu fahren, während ich den deutlich teureren Ausflug zur Isla Magdalena buche.

 

Am Nachmittag fahren wir mit einem Stadtbus zur Freihandelszone „Zona franca" hinaus, die am Stadtrand liegt. In einem großen Shoppingareal kann man hier zollfrei alle möglichen Güter des täglichen Bedarfs einkaufen. Das Areal ist von einem Zaun umgeben. Ich bin auf der Suche nach neuem Dia-Filmmaterial. Dabei laufe ich mir in dem unübersichtlichen Gebiet die Hacken ab, finden tue ich nichts. Am anderen Tag werde ich in einem normalen Fotogeschäft in der Innenstadt fündig. Ich decke mich mit ausreichend Filmmaterial ein, das bis zum Ende der Reise reichen soll.

In unserer Herberge können wir die Küche mitbenutzen. Die Restaurants in Chile sind deutlich teurer als in Argentinien, also ist klar was wir abends machen. Der Supermarkt „Abu Gosch" wird eine mehrfach frequentierte Adresse in Punta Arenas. Das Niveau und die Auswahl sind praktisch so gut wie in Deutschland, die Preise sind leider auch vergleichbar. Zusammen mit einer Flasche guten chilenischen Rotweins beginnen wir abends unsere Kochaktion auf dem alten, schmiedeeisernen Herd (siehe Foto).

Am kommenden Nachmittag finde ich mich am Hafen ein, wo gegen 16.00 Uhr die Fähre Melinka zu ihrer zweistündigen Überfahrt zur Isla Magdalena ablegt. Auf der unbewohnten Isla Magdalena, die 38 km nordöstlich von Punta Arenas mitten in der Magellanstraße liegt, ist ein Naturreservat („Los Pingüinos") eingerichtet worden. Auf der Insel leben rund 100.000 Pinguine, die zur Gattung der Magellanpinguine gehören (ein sehr passender Name, schließlich sind wir mitten in der Magellanstraße).

 

Als wir die Insel erreichen läuft unsere Fähre mit Schwung auf den Strand auf und lässt die Bugklappe herunter. Einen Pier oder einen Fähranleger gibt es hier nicht. Für kurze Zeit gesellen sich zu den 100.000 Pinguinen die 100 Touristen, die mit der Fähre gekommen sind. Obwohl ein Weg zum höchsten Punkt der Insel angelegt ist, läuft man praktisch mitten durch die Pinguinkolonie hindurch. Die Tiere haben sich auf der baumlosen, 82 Hektar großen Insel unzählige Erdlöcher gegraben, die sie als Nistplätze und zum Schutz vor dem eisigen Wind nutzen. Von dem erhöhten Ausblick (alter Leuchtturm) kann ich sehen, dass die ganze Insel praktisch gleichmäßig mit Pinguinen übersät ist. Neben diesem einmaligen Anblick wird mir auch die dichte Geräuschkulisse auf der Insel in Erinnerung bleiben. Mit senkrecht nach oben gestrecktem Hals geben die Tiere ein ziemlich lautes Geschrei von sich, das irgendwie klagend klingt.

Nach dem ausgesprochen zugigen Ausflug auf die Insel läuft der Verkauf von heißem Kaffee auf dem Boot besonders gut. Erst um 21.00 Uhr bin ich wieder zurück in unserer Pension.

Auf der Isla Magdalena

Magellanpinguine auf der Isla Magdalena

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Torres del Paine Nationalpark

Unser nächstes Ziel ist der berühmte Torres del Paine Nationalpark, den man am besten von der Hafenstadt Puerto Natales aus erreichen kann. Die Kleinstadt lebt inzwischen besser vom Tourismusgeschäft als von dem traditionellen Geschäft mit Schafzucht, Wolle und Fischfang.

Auf einem Spaziergang durch den Ort komme ich zum Hafen, von wo auch die Navimag-Fähren zu ihrer viertägigen Fahrt durch die Fjordlandschaft Südchiles nach Puerto Montt aufbrechen. Der Ort liegt am Seno de Ultima Esperanza, was soviel heißt wie „Bucht der letzten Hoffnung". Ein wahrlich nicht sehr einladend klingender Name.

Zurück in unserem extrem gut geheizten Residencial (in der Küche messe ich 34 °C) brüten Holger und ich über einer Karte des Nationalparks. Wir wollen eine mehrtägige Wanderung in dem Nationalpark machen, scheuen aber den Aufwand einer kompletten Umrundung des zentralen Massivs, welche sechs bis acht Tage dauern würde.

Die verwirrende Topographie und die komplizierten und teuren Übernachtungsmöglichkeiten im Nationalpark erschweren die Planung. Rund um das bis zu 3050 Meter aufragenden Zentralmassiv breitet sich ein Gewirr aus vier größeren Seen aus: Lago Sarmiento de Gamboa, Lago Nordenskjöld, Lago Pehoe und Lago Grey. Und nicht überall führen Wege entlang.

Wir entscheiden uns für eine Dreitagestour, die leider auch einiges an Backtracking beinhaltet. Am ersten Tag wollen wir den drei berühmten Türmen, die dem Park ihren Namen gegeben haben, einen Besuch abstatten (8 h Gehzeit), am zweiten Tag wollen wir über den Lago Pehoe fahren und bis zum Gletscher Grey am Ende des gleichnamigen Sees wandern (4 h), und schließlich am dritten Tag vom Lago Grey bis zur Station Posada Rio Serrano im Süden des Parks wandern (9 h), von wo der Bus uns zurück nach Puerto Natales bringen soll.

Am ersten Tag verlieren wir viel Zeit, bis wir endlich loswandern können. Alleine die Anfahrt zum Park vom immerhin 112 km entfernt liegenden Puerto Natales dauert 2 ½ h. Am Parkeingang muss jeder die Eintrittsgebühr entrichten (ca. 11 USD), wofür es weder eine Karte noch eine Infobroschüre gibt. Weitere wertvolle Zeit geht drauf bis wir endlich unser erstes Nachtquartier, das Refugio Las Torres erreicht haben (17 USD pro Bett in einem Sechsbettzimmer). Dort deponieren wir unsere mitgebrachten Lebensmittel und ein Großteil des anderen Gepäcks. Passend zum Start unserer ersten Tagesetappe setzt dann Regen ein. All dies trägt nicht gerade dazu bei, meine Laune zu heben. Wir überlegen schon, ob wir bei diesem Wetter überhaupt weiterlaufen sollen, oder lieber gleich den Nachmittag in dem Refugio verbringen sollen. Wir setzten auf die Wechselhaftigkeit des patagonischen Wetters und laufen weiter. Im anhaltenden Regen geht es immer bergauf das Valle Ascencio hoch. Als wir eine verspätete Mittagsrast einlegen, hört der Regen weitgehend auf. Während der Pause treffen wir die Holländerin Anne wieder, die wir zuletzt im bolivianischen Grenzort Copacabana vor etlichen Wochen getroffen hatten. Es ist immer wieder erstaunlich wie oft man andere Reisende auf solchen Touren wiedersieht. Sie ist nun in Begleitung der Münchnerin Claire. Wir freuen uns über das Wiedersehen und zu viert marschieren wir nun weiter bergauf. Das letzte Stück zum Aussichtspunkt auf die drei Torres führt über eine riesige Geröllhalde steil bergauf bis auf 950 m Höhe. Von der Kraxelei bin ich ziemlich außer Puste als ich oben ankomme. Zur Begrüßung gibt es einen deftigen Hagelschauer. Unter einigen Felsbrocken kauernd suchen wir Schutz. Danach reißt die Wolkendecke für einige Minuten auf, so dass wir doch noch mit dem Anblick der unglaublich steilen Granittürme belohnt werden. Der linke der drei Türme reckt sich 2850 m hoch in den patagonischen Himmel. Eine extreme Herausforderung für Bergsteiger. Mir genügt der Anblick auf die drei Felstürme. Weiter will ich an diesem Tag nicht mehr.

 

Torres del Paine

Der Rückweg braucht auch seine Zeit. Erst gegen 20.00 Uhr erreichen wir ziemlich müde unser Refugio. Den restlichen Abend verbringen wir zusammen mit Anne und Claire im Refugio.

Am zweiten Tag bleibt es trocken, dafür bekommen wir die Kraft des patagonischen Windes kostprobenweise zu spüren. Zuerst geht es mit dem Transferbus zur Ablegestelle der Fähre über den Lago Pehoe. Während der halbstündigen Bootsfahrt über den türkis-milchig schimmernden See können wir die klassische Postkartenansicht auf das Hauptmassiv des Nationalparks bei aufgelockerter Bewölkung genießen.

Danach folgen vier Stunden Wegstrecke entlang des Ostufers des lang gestreckten Lago Grey bis zum Refugio Grey. Für mich ist dies der schönste Teil der Wanderung. Es geht insgesamt 300 Höhenmeter hinauf und zum Seeufer auch wieder hinunter. Ein echtes Highlight sind die immer wiederkehrenden Ausblicke auf die im See treibenden Eisberge. Diese stammen von dem mächtigen Grey Gletscher, der in das hintere Ende des Sees hineinragt. Unbedingt lohnenswert ist der einstündige Abstecher vom Refugio Grey bis zu einem Aussichtsfelsen direkt gegenüber des Grey Gletschers. Wir sitzen schließlich auf einem nackten Felsvorsprung hoch über dem See und bestaunen die sehr unterschiedlich aussehenden und im See treibenden Eisberge. Ein pockennarbiger Eisberg in unserer Nähe wird von der tiefstehenden Abendsonne von hinten angeleuchtet. Das Eis wirkt fast wie Glas und hat eine kobaltblaue Färbung. Ein phantastischer Anblick, den ich nicht so schnell vergessen werde.

 

kobaltblauer Eisberg im Lago Grey

Eisberg im Lago Grey – Tores del Paine Nationalpark

Zurück in der gemütlichen Hütte koche ich mir in der kleinen Küche mein Abendessen und unterhalte mich mit zwei Amerikanern und einem Australier. Den Australier hatten wir bereits zum ersten Mal in San Pedro de Atacama auf unserer Tour zu den El Tatio Geysiren gesehen. Das ist schon wieder so ein kurioser Zufall.

In der Nacht schlafe ich gut und wäre am liebsten noch einen weiteren Tag in der schönen Holzhütte geblieben. Doch wir müssen uns an diesem Morgen beeilen, denn heute liegt die längste Teilstrecke von ca. 27 km vor uns. Das Wetter ist an diesem Tag gemischt, mit sonnigen Abschnitten und auch vereinzelten sehr starken Windböen. In 3 ½ Stunden haben wir den Rückweg bis zum Lago Pehoe geschafft. Wir denken, dass wir gut in der Zeit liegen und machen entspannt Mittagspause. Das letzte Wegstück führt entlang des Seeufers des Lago Pehoes und dann durch die offene Graslandschaft der Pampa Hermandad. In der Karte ist für diese Strecke 5 h Gehzeit eingetragen und in unserer Herberge in Puerto Natales hat man uns gesagt, dass man die Strecke auch in 4 h schaffen könne. Bald habe ich den Eindruck, dass diese Zeitangabe eher auf Reiter abgestimmt ist als auf arme Wanderer mit einem dicken Rucksack auf dem Buckel. Wir marschieren so schnell wir können durch die Pampa, doch habe ich nicht das Gefühl vorwärts zu kommen. Beim Laufen durch die endlose Graslandschaft hat man auch keine Orientierungspunkte, wieweit man schon gekommen ist. Wir wollen den letzten Bus um 18.00 Uhr erreichen und merken, dass die Zeit immer knapper wird. Schließlich geht Holger mit den Bustickets voraus, da er der Schnellere von uns beiden ist und gegebenenfalls den Bus zum Warten überreden kann. Ziemlich abgekämpft erreiche ich gerade pünktlich zur Abfahrtszeit die Bushaltestelle. Wie sich dann herausstellt, fährt der Bus tatsächlich erst um 18.30 Uhr ab. Um 22.00 Uhr sind wir zurück in Puerto Natales und fallen müde in die Betten.

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El Calafate

Die letzte Station unseres Patagonienaufenthaltes ist der Ort El Calafate. Hierzu habe ich das Vergnügen innerhalb kurzer Zeit bereits das vierte Mal nach Argentinien einzureisen. Mit Ausnahme von Paraguay bin ich damit von allen Nachbarländern aus eingereist.

Ähnlich wie Puerto Natales verdankt der Ort El Calafate seine Daseinsberechtigung einer einzigen touristischen Attraktion, die in diesem Fall 80 km vom Ort entfernt liegt. Der berühmte Perito Moreno Gletscher zieht Besucher aus allen Herren Ländern an und ist vielleicht die bekannteste Attraktion Patagoniens. Ich finde es bemerkenswert, dass die drei wichtigsten landschaftlichen Attraktionen Südamerikas, die wir besucht haben, mit dem Element Wasser verknüpft sind. Beim Perito Moreno Gletscher ist es gefrorenes Wasser, bei den Iguazú-Fällen sind es stürzende Wassermassen, und beim Salar de Uyuni ist es eine riesengroße Menge verdunstetes Wasser.

Ein Minibus bringt uns und neun andere Touristen zum Nationalpark Los Glaciares. Die Fahrt führt zuerst durch die bereits bekannte baumlose, steppenartige Landschaft, die im Regenschatten der Anden nur 300 mm Niederschlag im Jahr abbekommt. Sie eignet sich höchstens für Schafzucht oder das Sammeln der Calafatebeeren (eine Art Blaubeeren).

Am Gletscher selber haben wir ausreichend Zeit, um von den verschiedenen Aussichtsbalkonen die Gletscherfront in Ruhe und aus allen Winkeln zu betrachten. Der Perito Moreno Gletscher bietet nicht nur einen atemberaubenden Anblick, sondern ist auch ein akustisches Erlebnis. In kurzen Zeitabschnitten knackt und kracht es in den turmhohen Eismassen. Immer wieder brechen ohne Vorwarnung Eisbrocken heraus und stürzen unter Getöse in den Kanal des Brazo Rico. Auf der langen geraden Eisfront, die in den Canal de los Témpanos ragt, kann ich drei größere Eisabbrüche beobachten. Es ist ein beeindruckendes Spektakel, wenn sich eine 60 m hohe Eisplatte erst ganz langsam von der Gletscherfront löst und dann in mehrere Stücke zerbrechend mit der entsprechenden akustischen Untermalung in den See kracht. Die Hauptbruchstücke tauchen erst unter, um dann mit Schwung wieder aufzutauchen. Von der Abbruchstelle breitet sich konzentrisch eine Wellenfront aus, die für in der Nähe befindliche Boote gefährlich werden kann. Deshalb müssen die Tourboote mehrere hundert Meter Sicherheitsabstand halten. In den letzten Jahren hatte es durch umher fliegende Eisbrocken bereits 32 Tote gegeben!

 

Gletscherfront des Perito Moreno

Licht- und Schattenspiel am Perito Moreno Gletscher

Bis zu unserem Rückflug nach Buenos Aires ist noch ein Tag übrig, denn ich für einen ganztägigen Schiffsausflug im Nationalpark „Los Glaciares" nutze (umgerechnet ca. 52,- EUR komplett). Bereits um 7.20 Uhr werde ich mit einem Bus vom Hotel abgeholt, worauf eine einstündige Anfahrt zum Hafen Punta Bandera folgt. Dort werden zwei große und topmoderne Katamarane bestiegen. Gegen 9.00 Uhr beginnt die 10stündige Kreuzfahrt auf dem weit verzweigten Lago Argentino, der der größte See Argentiniens ist. Zuerst wird der Spegazzini Gletscher in einem langen Seitenarm des Sees angelaufen. Die Eiswand, die in den See hineinragt ist mit 130 m sogar noch deutlich höher als die des Perito Moreno Gletschers. Und unter Wasser reicht sie weitere 180 m bis auf den Seegrund hinab. Dieser Gletscher ist nicht so aktiv wie der Perito Moreno, weswegen unser Schiff dichter an der Eiswand entlang kreuzen kann, ohne Gefahr zu laufen von abrechenden Eismassen erschlagen zu werden.

Weiter geht die Fahrt zur Bahia Onelli. Dort landen wir gegen Mittag an. In Begleitung unserer englischsprachigen Führerin Victoria geht es ca. 1 km durch einen verwunschen aussehenden Wald mit moosbehangenen Lengabäumen zu dem kleinen Lago Onelli, der mit dem Lago Argentino durch einen kleinen Fluss verbunden ist. In diesen See münden gleich drei kleinere Gletscher. Auf dem See treiben unzählige Eisschollen. Ich packe meine mitgebrachten Brote aus, setze mich auf einen Felsen am Ufer und betrachte die ganz und gar unwirkliche Szenerie: von dem riesigen patagonischen Eisfeld drängen drohend graue Wolken herab, während über dem See die Sonne scheint. Dazu gibt es zeitweise leichten Nieselregen. Es ist ausnahmsweise fast windstill und in der Sonne trotz des Nieselregens angenehm warm (kurzes Hemd). Dazu blicke ich in dem halbgaren Mischlicht auf die vielen Eisschollen, die regungslos auf dem stillen See herumdümpeln. Diese Eismengen suggerieren Kälte, doch sind dies die wärmsten 2 Stunden während des ganzen Tagesausflugs. So etwas verrücktes habe ich wirklich noch nicht gesehen und gerne wäre ich mit einem Kanu auf dem See herumgefahren. Die Zeit drängt aber, alle marschieren durch den Wald zurück und besteigen wieder unseren Katamaran.

Als letztes wird der größte Gletscher angesteuert, der in den Lago Argentino mündet. Im Gegensatz zu den anderen Gletschern schwimmt die kilometerlange Eisfront des Upsala Gletschers im See, so dass hier eher respektable Eisberge von der Front abbrechen als „nur" einzelne Eisplatten wie beim Perito Moreno. Leider schlägt das Wetter um, als wir uns der Gletscherfront nähern. Wind und Regen peitschen uns entgegen, die den Aufenthalt an Deck des Schiffes ziemlich ungemütlich gestalten.

Eisberg im Lago Argentino

Eisberg im Lago Argentino

Dabei kreuzen wir an zahlreichen Eisbergen vorbei. Ich bin von den mannigfaltigen Formen, Oberflächenstrukturen und Blauschattierungen begeistert, die das Eis annehmen kann. Teilweise sieht es wie Marmor aus, hat dann wieder eine glasartige Oberfläche, ist von dunklen oder braungefärbten Streifen durchzogen, oder zeigt eine unscheinbare mattweiße Oberfläche. Mein Kopf ist voller Bilder und Eindrücke als ich spät am Abend wieder in El Calafate eintreffe.

Am nächsten Tag steht unsere Rückreise nach Buenos Aires auf dem Programm. Wir fliegen von dem neugebauten Flughafen weit außerhalb von El Calafate nach Buenos Aires zurück. Dort erwartet uns schwülwarmes Regenwetter, was uns aber nicht sonderlich stört, denn wir wollen direkt nach Mendoza weiterfahren. Im Flughafen werden wir von einem Angestellten darauf hingewiesen, dass Taxischlepper vor dem Ausgang auf uns warten würden. Diese Taxis seien nicht sicher und wir sollten besser ein offizielles, vorausbezahltes Taxi in die Stadt nehmen. Die machen wir dann auch und lassen uns direkt zum Busbahnhof Retiro bringen. Dort kaufen wir eine Nachtbusfahrkarte nach Mendoza für den 20.50 Uhr Bus. Bis zur Abfahrt bleibt noch Zeit für ein Abendessen und für einen Rundgang über den Busbahnhof. Retiro ist der größte Busbahnhof, den ich bis jetzt gesehen habe. Über drei Etagen erstreckt sich das Gebäude. Es gibt eine schier endlos lange Reihe von 75 (!) Bussteigen. Ständig kommen und verlassen die großen Fernstreckenbusse diesen wichtigsten Busbahnhof Argentiniens. Mangels eines leistungsfähigen Eisenbahnnetzes und für den Durchschnittsargentinier zu teuren Inlandsflügen wird der größte Teil des Personenfernverkehrs per Bus abgewickelt. Dementsprechend umtriebig geht es hier zu. Ich bin positiv beeindruckt, alles scheint ziemlich reibungslos zu funktionieren. Nur das gewählte Restaurant im Busbahnhof taugt nichts. Mein Schnitzel gleicht einem panierten Stück Pappe. Wir haben einen komfortablen Nachtbus gewählt, in dem man die Sitze fast zu Betten umklappen kann. So kann ich auf der 14 stündigen Fahrt recht gut schlafen.

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Mendoza

In Mendoza herrscht trockenes und warmes, aber nicht zu heißes Sommerwetter. Im Großraum der 900.000 Einwohner zählenden Stadt werden 70 % des argentinischen Weins angebaut. Wir denken uns also, dass dies der geeignete Ort für eine Weingüterbesichtigungstour inklusive einer Weinprobe sein sollte. Doch leider stellt sich die Halbtagestour als Enttäuschung heraus, wobei ich aber teilweise selber schuld bin, da mein Spanisch nicht so gut ist, um den wortreichen Erklärungen auf den beiden besuchten Bodegas (Weingüter) zu folgen. Neben uns sind auch so gut wie keine Ausländer dabei. Außerdem gibt es für jeden Besucher nur ein kleines Gläschen zum Kosten. Da muss ich wehmütig an die tolle Weintour im Barossa Valley in Australien zurückdenken, wo wir alle am Abend gut angeheitert waren (… kein Wunder nach 32 verschiedenen Weinproben).

Holger fährt schon einen Tag früher nach Santiago zurück, da er bei der Filiale der Dresdner Bank unbedingt seine neue Kreditkarte abholen muss, die mittlerweile aus Deutschland per Post angekommen ist. Holger hatte dies bei unserem ersten Aufenthalt im Dezember mit einem hilfsbereiten deutschen Angestellten der Dresdner Bank Filiale geregelt.

 

River Rafting - Ich sitze vorne rechts im Schlauchboot.

River Rafting auf dem Rio Mendoza

Ich bleibe noch in Mendoza, da ich unbedingt noch das River Rafting ausprobieren möchte, wofür Mendoza ein hervorragend geeigneter Ort ist. Von den Anden kommt der Rio Mendoza mit klarem und kaltem Wasser heruntergebraust, ein weiterer Fluss ist ebenfalls fürs Rafting geeignet, folglich bieten mehrere Agenturen River-Rafting-Touren recht preiswert an. Bei 30 ºC Grad Außentemperatur macht es dann auch Spaß nass zu werden. Und dies bin ich dann auch innerhalb kürzester Zeit, da ich in dem Schlauchboot vorne rechts sitze und die hereinschwappenden Wellen als Erster abbekomme. Mit mir sitzen noch 5 Argentinier und ein Steuermann von der Agentur im Boot. 12 km paddeln wir den Rio Mendoza herunter. Die wildesten Stellen kommen dabei zu Beginn, nachher wird es dann einfacher. Aus dem Boot gefallen bin ich nicht, nur einmal bin ich kurz davor, kann mich aber wieder ins Innere retten. Vom Steuermann kommen immer die Anweisungen auf Spanisch, was ich und die anderen 5 Anfänger zu tun haben. Zum Beispiel brüllt er "Adelante con fuerza", was soviel heißen soll, wie "Paddeln was das Zeug hält". Vor der Tour hatten wir noch einen Crash-Kurs im River-Rafting bekommen.

Die allerletzte der vielen Busfahrten in Südamerika ist gleichzeitig die landschaftlich interessanteste. Denn von Mendoza geht es quer über den Andenhauptkamm zurück nach Santiago de Chile. Der zu überquerende Pass verläuft dabei ganz in der Nähe des Aconcagua, des höchsten Berges der Anden. Während der Fahrt kann ich wenigstens einen eiligen Blick auf den 6960 m hohen Aconcagua werfen.

Für die Fahrt sind 6 Stunden veranschlagt, tatsächlich brauchen wir aber 8 ½ Stunden, da wir weit vor der argentinisch-chilenischen Grenze in den Rückstau eines Profi-Radrennens geraten. Die Radfahrer fahren bis zur Passhöhe (>3000 m) hoch, wo das Etappenziel ist. Kein Bus oder Auto darf dabei das Hauptfeld überholen. Also hat sich eine lange Kolonne von Fahrzeugen gebildet, die im Stop-and-go-Tempo hinter den Radfahrern herfahren. Dabei geraten nachzügelnde Radfahrer immer wieder zwischen die Autos, lassen sich teilweise mitziehen, versorgen sich bei den Begleitfahrzeugen ihres Teams und kämpfen sich dann wieder zum Hauptfeld vor. Unser dynamischer und temperamentvoller Busfahrer schafft es, sich mit seinem etwas kleineren Bus  in dem Gewühle bis auf den 2. Platz im Verfolgertross vor zu wurschteln. Dies hat entscheidende Bedeutung als nach Zieldurchfahrt der Radfahrer der nun entfesselte Autoverkehr ungestüm auf die Grenze zubraust. Wie ich bereits gelernt habe, sind die argentinisch-chilenischen Grenzformalitäten bürokratisch und zeitraubend. Unser Busfahrer achtet darauf, dass sich seine Passagiere möglichst schnell anstellen und als Gruppe zusammen bleiben. Inklusive Gepäckkontrolle und dreimal Schlangestehen schaffen wir die Grenze in rekordverdächtigen 45 Minuten. Ich blicke zurück und sehe vor der Abfertigungshalle eine endlos lange Schlange mit Bussen, Pkws und Lkws stehen. Wer hinten steht, braucht an diesem Tag sicher viele, viele Stunden bis zur Abfertigung. Wie schön haben wir es da doch in der EU!

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Auf dem Weg nach Santiago

Weg nach Santiago - Paso de Los Libertadores

Santiago

Direkt hinter der Grenze geht es kompromisslos in Serpentinen bergab. Die Abfahrt ist so außergewöhnlich, dass ich meine feste Angewohnheit über Bord werfe, während einer Busfahrt nicht zu fotografieren. So entsteht obiges Bild. Am späten Nachmittag bin ich schließlich wieder in Santiago. Mit der U-Bahn fahre ich das letzte Stück ins Zentrum und treffe in dem vereinbarten Hotel Holger wieder. Die Aushändigung seiner neuen Kreditkarte hat auch problemlos geklappt. Wir gehen gemeinsam ein letztes Mal in Südamerika Abendessen und dann schlendere ich bei hochsommerlichen Temperaturen auf die Plaza de Armas, um Südamerika innerlich Good-Bye zu sagen. Morgen früh fliegen wir nach Mexiko weiter, welches das letzte große Ziel dieser Weltreise ist. Ich setze mich auf eine Parkbank und lasse die vergangenen 9 Wochen Revue passieren. In dieser Zeit habe ich wirklich viel erlebt und gesehen, auch wenn es bisweilen recht anstrengend war. Insbesondere die enorme Vielfalt an verschiedensten Naturräumen, an interessanten Städten und kulturellen Attraktionen fand ich sehr anregend. Dieser Kontinent hat wirklich viel zu bieten, wobei ich bis jetzt nur einen kleinen Teil gesehen habe. Eins ist gewiss, die eingeplante Zeit war viel zu kurz, es hätte sich auf jeden Fall gelohnt, hier mehr Zeit zu verbringen und anderswo etwas weniger (z.B. Australien). Die Begegnungen mit den Menschen waren auch durchweg positiv. Bisweilen haben wir kleine Einblicke in den Alltag insbesondere der Chilenen und Argentinier gewinnen können. Meine unzureichenden Spanischkenntnisse haben leider einen intensiveren Kontakt erschwert, obwohl ich während des Aufenthaltes einiges dazu gelernt habe.

Vor der Reise hatte ich mir viele Gedanken über die Sicherheit in Südamerika gemacht. Schließlich hat jeder schon so einige Horrorstories gehört. Doch zum Glück ist uns beiden nichts passiert. Der Vorfall in La Paz und ein ähnlich gelagerter Fall in Buenos Aires sind glimpflich und ohne Schaden für uns verlaufen. Wir sind einigermaßen vorsichtig gewesen und haben insbesondere bei den Busfahrten auf unser Handgepäck aufgepasst. Wenn man seinen „Common sense" benutzt, die entsprechenden Sicherheitsratschläge in den Reiseführern und von anderen Travellern befolgt, kann man viele Gefahrenquellen ausschließen bzw. stark reduzieren. Auf keinen Fall sollte man in Paranoia verfallen und sich damit den Spaß an einer Reise durch Südamerika verderben lassen!

Positiv überrascht war ich auch von dem ganzen Thema Infrastruktur und Grenzüberschreitungen. Die Busse haben durchweg einen guten Standard (weit besser als in Indonesien), sind recht pünktlich und fahren praktisch überall hin. Wir sind jedenfalls nicht Opfer der berüchtigten „Mañana-Mentalität" geworden. Auch an den Grenzen lief immer alles reibungslos, nur etwas Geduld sollte man mitbringen. Dadurch, dass man als Deutscher kein Visum benötigt, kann man auch kurzfristig seine Reisepläne ändern und lustig zwischen den Ländern hin- und herreisen. Davon haben wir reichlich Gebrauch gemacht, wovon die 22 neuen Stempel in meinem Reisepass zeugen.

Eins ist jedenfalls sicher, ich werde wiederkommen!

 

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