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Vom Altiplano zum Rio de la Plata – Bolivien, Argentinien, Uruguay

(07.01.03 – 26.01.03)

 

Zunächst geht es auf dem gleichen Weg zurück nach Bolivien auf dem wir gekommen sind. Von Cusco nehmen wir wieder den Bus nach Puno und legen dort eine Zwischenübernachtung ein. Auf dem Busbahnhof in Cusco kaufen wir eine Fahrkarte bis direkt nach La Paz für den nächsten Tag.

Bei der Abholung im Hotel werden wir am nächsten Morgen von der Nachricht überrascht, dass das ganze Transportgewerbe in Bolivien heute streikt. Damit liegt der gesamte öffentliche Verkehr lahm. Es fährt kein Bus, kein Sammeltaxi, kein Taxi, kein Zug, kein Irgendetwas. Der Bus wird also nur bis zur peruanisch-bolivianischen Grenze fahren. Wie es dann weitergehen soll, können uns die Leute von der Busgesellschaft nicht sagen.

An der Grenze angekommen müssen alle Passagiere aussteigen. Die Ausreise aus Peru und die erneute Einreise nach Bolivien gehen problemlos vonstatten. Es ist aber ausgesprochen ruhig. Auf bolivianischer Seite ist kein einziges Fahrzeug zu sehen. Von der Hinreise wissen wir aber, dass es bis zu dem Ort Copacabana nicht sehr weit ist. Also schultern wir unsere beiden Rucksäcke und machen uns zu Fuß auf den Weg. Wir können über Feldwege links der Hauptstraße etwas Wegstrecke abkürzen. Zum Glück sind wir an die Höhe mittlerweile bestens akklimatisiert, denn sonst würde ein 8 km langer Fußmarsch mit 20 kg Gepäck in 3800 m Höhe nicht soviel Spaß machen. Immerhin brauchen wir zwei Stunden für den Weg. Während des Fußmarsches freue ich mich schon auf eine weitere wohl verdiente Titicacaseeforelle.

Das Highlight des Tages wird aber das Wiedersehen mit Conny und Ronny. Die beiden sind auf ihrem Weg zurück nach Peru auch in dem Grenzort gestrandet. Holger läuft ihnen auf der Straße über den Weg, während ich den Nachmittag in einem Internetladen verbringe. Wir verabreden uns zum gemeinsamen Abendessen. Dazu bringen sie noch den unterhaltsamen Amerikaner Carlos und die allein reisende Niederländerin Anne mit. Zu sechst verbringen wir einen lustigen Abend und sagen erneut Adieu.

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Oruro

An nächsten Tag ist der Streik zum Glück vorüber. Unsere Tickets nach La Paz sind weiterhin gültig, doch dauert es eine ganze Weile bis zur Abfahrt. Wir landen in einem reichlich altersschwachen Bus, der nach der Fährüberfahrt am Titicacasee eine einstündige Reparaturpause einlegen muss. Umständlich wird ein Hinterrad gewechselt. Dieses sollte aber nicht lange halten. Auf dem Weg nach El Alto platzt einer der hinteren Zwillingsreifen. Nach Begutachtung des Schadens durch den Busfahrer meint dieser, dass er es im langsamen Tempo noch bis La Paz schaffen könnte. In noch gemächlicherem Tempo als vorhin geht es weiter. Sogar die chronisch langsamen LKWs überholen uns jetzt. Am Stadtrand von El Alto ist dann endgültig Schluss. Per Telefon wir ein Ersatzbus herbeigerufen, der viel kleiner als unser kaputter Bus ist. Viele Rucksäcke werden jetzt im Gang oder unter den Sitzen verstaut. Zu allem Überdruss bringt uns der Bus zu einem Hotel in der Innenstadt anstatt zum Busbahnhof. Wir steigen genervt aus und fahren mit einem herbei gewunkenen Taxi zurück zum Busbahnhof. Wir haben keine Lust, eine weitere Nacht in La Paz zu vertrödeln, sondern wollen noch am selben Abend weiter nach Oruro, wo die Eisenbahnstrecke zur argentinischen Grenze beginnt. Innerhalb einer halben Stunde haben wir ein billiges Ticket (10 Bolivianos) nach Oruro ergattert und sitzen im nächsten Bus. Die 220 km lange Strecke nach Oruro gehört zu den besten Straßen Boliviens, soll heißen, sie ist geteert. Ziemlich erschöpft erreichen wir um 23.00 Uhr das Busterminal von Oruro. Ganz in der Nähe nehmen wir das erstbeste Hotel.

Am anderen Morgen erwartet mich in der Dusche unseres Zimmers ein ungeahnter „Muntermacher". Bei der Hotelsuche fragen wir mittlerweile routinemäßig immer nach der Verfügbarkeit von warmem Wasser. Dies ist in Peru und Bolivien wahrlich keine Selbstverständlichkeit, denn oft gibt es gar kein oder nur stundenweise warmes Wasser, wenn zum Beispiel ein Kanonenofen angeheizt werden muss. Weit verbreitet sind auch abenteuerlich aussehende elektrische Durchlauferhitzer, die direkt im Duschkopf montiert sind (Bild).

 

Durchlauferhitzer im Duschkopf

So ein Durchlauferhitzer erwartet mich auch an diesem Morgen. Die elektrischen Zuleitungen führen frei schwebend zu dem Duschkopf, und die Kabelenden sind nur mit der Hand zusammengezwirbelt und mit Isolierband umwickelt. Und das in der Dusche, wo es immer nass ist. Oft gibt es noch außerhalb der Dusche einen Extraschalter, um den Tauchsieder in Betrieb zu nehmen. Gerne wird dazu auch eine Sicherung herein- bzw. herausgedreht.

Heute habe ich mal wieder Pech. Es kommt nur kaltes Wasser heraus, und alle mittlerweile gelernten Tricks nützen nichts, um dem Gerät doch noch warmes Wasser zu entlocken. Als ich nach dem Duschen das Wasser wieder abstellen will, bekomme ich dafür beim Anfassen des Wasserhahns einen elektrischen Schlag versetzt. Autsch!

Der Durchlauferhitzer kann also nicht funktionieren, denn stattdessen wird hier die Wand mit Strom versorgt. Jedenfalls bin ich jetzt sehr munter geworden. Vorsichtig fasse ich den Wasserhahn ein zweites Mal - diesmal nur an den gummierten Teilen - an und kann ihn so ohne weitere "Nebenwirkungen" abdrehen.

Mit dem Taxi fahren wir früh zum Bahnhof, denn wir sind der Meinung, dass der Zug heute um 10.00 Uhr abfahren würde. Bereits eine halbe Stunde vor Öffnung des Fahrkartenschalters („Boleteria") hat sich eine lange Schlange gebildet. Auf einer Tafel sehen wir, dass der Zug heute doch erst um 15.30 Uhr abfährt. Trotzdem ist jetzt schon der Teufel los. Also Glück im Unglück, dass wir so früh aufgekreuzt sind. Die großen Rucksäcke können wir in der Gepäckaufbewahrung aufgeben, und dann stellt sich Holger an. Ich gehe unterdessen auf der Suche nach etwas Essbarem in die Innenstadt. Unser blödes Hotelrestaurant hatte nämlich auf unabsehbare Zeit geschlossen, so dass wir uns ohne Frühstück auf die Socken gemacht haben.

Als ich zurückkomme sind in der zwischenzeitlich geöffneten Wartehalle an die 100 Leute versammelt. Zur Unterhaltung der Wartenden wird ein Video gezeigt. Wir haben die Wartemarke mit der Nr. 75 gezogen und können ausgiebig beobachten wie die Fahrkarten für den Nachmittagszug von einem einzigen Bahnangestellten im Schneckentempo verkauft werden. Jede Transaktion dauert so lange, wie bei uns vielleicht die Eröffnung eines Girokontos bei der Bank. Bereits nach vier Stunden sind wir an der Reihe und bekommen zwei der letzten Tickets für den heutigen Zug. Diese Zugstrecke zum Grenzort Villazon ist eine der letzten Langstrecken-Eisenbahnverbindungen in Südamerika, die von der Stilllegungswelle in den letzten beiden Jahrzehnten verschont geblieben ist. Generell ist das ganze Eisenbahnnetz in Südamerika veraltet und in einem desolaten Zustand. Das Transportmittel der Wahl ist und bleibt der Bus. Eine Reise, wie sie Paul Theroux in seinem Buch „Der alte Patagonien Express" beschrieben hat, wäre heute unmöglich. In diesem Fall kann sich die Eisenbahn gegen den Bus behaupten, denn von Oruro gibt es nur eine ungeteerte Straßenverbindung bis nach Argentinien. Der zweimal wöchentlich verkehrende Zug ist damit schneller und bequemer als die Busfahrt, welche auf der ungeteerten Straße eine weitere unbequeme Schütteltour bedeuten würde.

Bahnhof von Oruro auf 3706 m Höhe

Die Warterei auf die Fahrkarten hat aber auch eine gute Seite. In der Wartehalle lernen wir Christian aus Freiburg und Ulrike aus München kennen, mit denen wir nach überstandenem Fahrkartenkauf gemeinsam Mittagessen gehen. Beide sind schon mehrere Monate unabhängig voneinander in Südamerika unterwegs und haben sich in Bolivien kennen gelernt. Jetzt wollen sie gemeinsam zum Weltsozialforum nach Porto Allegre in Brasilien fahren. Auf dem Weg dorthin wollen sie auch durch Argentinien reisen.

Am Nachmittag geht es endlich los. Wie auf dem Flughafen müssen wir die großen Gepäckstücke separat aufgeben. Dann werden wir auf den Bahnsteig gelassen. Nach einer weiteren längeren Pause dürfen wir endlich in die Waggons einsteigen. Wenn nur ein Zug am Tag abfährt, dann kann man sich eine so umständliche Abfahrtprozedur auch erlauben. Vermutlich kann ich selbst nach Monaten der Reise meine Vorstellungen von „Effizienz" einfach nicht aus dem Kopf bekommen. Hier hat man einfach Zeit.

Die Waggons können ihr Alter zwar nicht verleugnen, sind aber sehr gut gepflegt. Alles ist klar nummeriert, so dass wir schnell unsere Plätze finden. Um 15.30 Uhr beginnt die lange Fahrt nach Süden. Nachdem wir den unvermeidlichen Müllgürtel um Oruro durchquert haben wird die Landschaft sehr eintönig, flach und wüstenhaft. Wir fahren wieder durch eine Art Salzsee nicht unähnlich der Landschaft am Salar de Uyuni.

Nach einer Weile begeben wir uns in den Speisewagen, wo wir den Abend zusammen mit Ulrike und Christian verbringen. An diesem Ort kann man auch der Zwangsvideobeschallung in den Waggons entgehen. Die Südamerikaner haben irgendwie eine Vorliebe für Gewaltfilme. Es läuft ein Hollywood-Gemetzelfilm nach dem anderen.

In der Nacht bekomme ich trotz viel Beinfreiheit nicht viel Schlaf ab und bin froh als wir um 8.00 Uhr endlich im bolivianischen Grenzort Villazon angekommen sind. Der Ort liegt immer noch auf 3440 m Höhe. Wir haben die ganze Zeit über nicht wesentlich an Höhe verloren. Die Eisenbahnstrecke führt zwar prinzipiell weiter nach Argentinien, doch wurde der Zugverkehr schon Mitte der 90er Jahre eingestellt. Umständlich wird das aufgegebene Gepäck wieder an die Passagiere zurückverteilt. Wir schultern die Rucksäcke und machen uns zu Fuß auf den recht langen Weg zur Grenze. Teilweise wird auf der argentinischen Seite das Gepäck kontrolliert. Holger hält dem Zöllner seinen Beutel mit den Kokablättern aus Potosí prophylaktisch entgegen. Eigentlich ist der Import nach Argentinien verboten, doch die Menge ist so klein, dass sich der Zöllner nicht weiter dafür interessiert und ihn durchwinkt. Ein halbe Stunde später sind wir in Argentinien eingereist.

An der Grenze sehe ich ein Schild, welches darauf hinweist, dass Ushuaia 5121 km von dem Grenzort La Quica entfernt ist. Diese Entfernungsangabe gibt mir schwer zu denken. In der begrenzten Zeit bis zu unserem Weiterflug nach Mexiko ist diese gigantische Strecke auf dem Landweg wohl nicht mehr zu bewältigen. Streichen möchte ich den Besuch von Patagonien aber auf keinen Fall. Vielleicht ist ein kurzfristig gebuchter Inlandsflug die Lösung. Schließlich ist nach der drastischen Pesoabwertung in Argentinien vieles wieder erschwinglich geworden.

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Salta

In La Quiaca holen wir endlich das Frühstück nach und fahren dann mit dem Bus zu viert weiter nach Salta. Auf dem Weg dorthin verlieren wir gewaltig an Höhe. Das merken wir unter anderem daran, dass wir erst die Wolkengrenze von oben erreichen, dann lange im Nebel herumfahren und in Salta schließlich unter der Wolkendecke angekommen sind. In der Großstadt ist es warm und regnerisch. Wir quartieren uns in einer Mischung aus Pension und Privatwohnung ein, die in meinem Reiseführer empfohlen wird. Vier Zimmer der geräumigen Wohnung werden an Gäste untervermietet. Für 10 Pesos pro Person (ca. 3 EUR) teilen wir uns mit Christian ein Dreibettzimmer.

Die Ankunft in Salta hat schon Charakter eines leichten Kulturschocks. Wir sind jetzt drei Wochen in Bolivien und Peru unterwegs gewesen und hatten uns an den dortigen Standard gewöhnt. Argentinien spielt jedoch in einer anderen Liga. Die Straßen sind wieder geteert, es gibt „normale Geschäfte", auf den Straßen fahren auch wieder Privatautos herum. Und die Wohnhäuser sehen wieder wie Häuser aus und nicht wie bewohnte Rohbauten. Weiterer großer Unterschied: ich sehe hauptsächlich Argentinier, die europäischer Abstammung sind und sich auch so kleiden. Vorbei ist es jetzt mit dem Anblick der Indiofrauen in wallenden Röcken, bunten Wolldecken und dem obligatorischen Hut auf dem Kopf.

Nach einer langen und erholsamen Nacht brechen wir am nächsten Morgen spät auf. Was macht man an einem Sonntagmorgen in Salta? Die Geschäfte haben alle geschlossen. Das weiterhin regnerische Wetter lädt nicht zu Ausflügen ein. An der zentralen Plaza 9 de Julio frühstücken wir sehr feudal und unterhalten uns dann eine Weile mit einem pensionierten englischen Diplomaten, der auch gut Deutsch kann. Er muss seinen Frust loswerden und erzählt uns, dass ihm gerade ein Bündel Dollarscheine aus der Hosentasche geklaut worden ist. Ich wundere mich jedoch, dass ein so erfahrener Mann, sein Geld als loses Bündel in der Hosentasche herum trägt.

Der bereits angebrochene Nachmittag wird mit einem Stadtspaziergang überbrückt. Abends treffen wir uns zu viert in einer Parilla (= Steakhaus). Dort beginnt unsere Serie der vielen saftigen argentinischen Steaks. Durch die Pesoabwertung ist das heutige Exemplar mit umgerechnet 2,50 EUR verblüffend preiswert.

San Francisco Kirche in Salta

 

Der kommende Montag geht mit einigen Erledigungen fast vollständig drauf. Holger hat massive Probleme, mit seiner Kreditkarte an Bargeld zu kommen. Seit seine Kreditkarte in Australien missbraucht und gesperrt wurde, ist er mit einer Notfallkreditkarte unterwegs, für die es keine PIN-Nummer gibt. Barauszahlungen auf eine VISA-Karte machen leider nur wenige Banken. So pilgern wir eine ganze Weile von Bank zu Bank, bis wir schließlich eine finden, die zögernd Bargeld auf die Kreditkarte herausrückt. Hinzu kommt, dass das ganze Bankensystem in Argentinien seit der Wirtschaftskrise ausgesprochen marode ist. Viele Banken haben nur sehr eingeschränkte Öffnungszeiten und sind chronisch überlastet (lange Wartezeiten).

Am Dienstag besichtigen wir in Salta die farbenprächtige und schöne Kolonialkirche Iglesia San Francisco (siehe Foto) und besuchen den 1454 hohen Aussichtsberg Cerro San Bernando. Wegen der enormen Hitze fahre ich lieber mit der Seilbahn hoch und laufe dann zu Fuß wieder herunter. Oben gibt es eine Parkanlage und schön gemachte Wasserspiele, die einem Wasserfall gleichen. Die Hauptattraktion ist jedoch die tolle Aussicht auf Salta. Die Stadt liegt einem quasi zu Füßen. Sehr gut zu erkennen ist das typische Schachbrettmuster der Straßenzüge. Eine der Hauptattraktionen Saltas, der Ausflug mit dem tren al las Nubes („Zug in die Wolken") hoch in die Anden, können wir nicht machen, denn der Zug fährt nur von April bis November.

Am Nachmittag finden wir uns zu viert am Busbahnhof ein. Wir haben alle für 58 Pesos eine Nachtfahrkarte ins 730 km entfernt liegende Corrientes gebucht. Der Bus ist klimatisiert und recht komfortabel. Gegen 17.00 Uhr verlassen wir Salta.

Diese schier endlosen Busfahrten haben ihr eigenes Flair. Jedes Mal wenn ich so einen Bus besteige und mich auf meinem Platz niedergelassen habe, brauche ich mich bis zur Ankunft am Zielort um nichts mehr zu kümmern. Dies erledigen jetzt die Busfahrer für mich. Bereits nach kurzer Fahrzeit fangen die Gedanken an zu schweifen. Zeit und Ort verschwimmen. Mein Kopf ist voller Bilder. Unstrukturiert denke ich über die Ereignisse der letzten Wochen nach, schaue dann wieder durchs Fenster auf die vorbeiziehende savannenartige Landschaft des Gran Chaco hinaus. Danach wird meine Aufmerksamkeit für eine Weile auf das gerade gespielte Bordvideo „Pearl Harbour" gelenkt und schließlich versetzt mich das Buch, das ich gerade lese, gedanklich ins Chile Anfang des 20. Jahrhunderts zurück („Das Geisterhaus" von Isabel Allende). Diese mehrfache örtliche und zeitliche „Unschärfe" ist ein sehr eigenartiger Bewusstseinszustand. Während dieser langen Busfahrten bin ich förmlich aus dem normalen Ablauf der Zeit herausgelöst. In der Rücksicht schrumpft die passive Zeit während der Busfahrten immer gewaltig zusammen, und man erinnert sich vielleicht nur noch daran, wie einem der Rücken oder der Hintern nach dem langen Sitzen weh getan hat. Jedoch werden diese Fahrten mit zunehmender Reisedauer für mich immer mehr zu wichtigen Phasen der Reflexion über das Erlebte. In gewisser Weise bin ich dem „Zustand des Reisens" nirgendwo näher als auf den ausgedehnten Busfahrten in Süd- und Mittelamerika. Am Ankunftsort endet dieser Gemütszustand immer schlagartig. Zurück in der Realität muss entschieden werden, wie es weitergeht.

Gegen 7.00 Uhr morgens kommen wir in Corrientes an. Leicht übermüdet und ausgehungert frühstücken wir zusammen am Busbahnhof. Eigentlich macht es keinen Sinn in Corrientes zu bleiben, denn dort gibt es nichts zu sehen. Also kaufen wir direkt die Fahrkarte nach Posadas und sitzen 2 Stunden später im nächsten Bus, der uns in die größte Stadt des Zweistromlandes bringen wird. Die Fahrt geht nun hauptsächlich durch flaches Weideland. Auf den saftig grünen Weiden sehe ich viele wohlgenährte Rinder. Passend zu diesem Anblick steigen unterwegs zwei waschecht aussehende Gauchos mit breitkrempigen schwarzen Hüten zu. Eine gute Stunde später und fernab jeglicher Ortschaft geben sie dem Fahrer ein Handzeichen, dass er stoppen möge. Sie steigen wieder aus. Ich sehe noch, wie sie am Straßenrand einen dritten Gaucho treffen, der sie anscheinend erwartet hat. Neben ihm stehen drei gesattelte Pferde.

Auch in Posadas fühlen wir uns noch einigermaßen fit und entscheiden, die Sache rund zu machen und gleich bis Puerto Iguazú durchzufahren. Es bleibt wieder Zeit für eine Hamburgermahlzeit am Busbahnhof und schon sitzen wir im nächsten Bus. Ich bin erstaunt wie reibungslos unser Transportmarathon funktioniert, denn jedesmal fahren wir mit einer anderen Busgesellschaft weiter und haben die Tickets erst unmittelbar vor Fahrtantritt gekauft. Die Landschaft wird jetzt zunehmend subtropischer, hügeliger und insgesamt interessanter. Im Bus fällt mir ein ca. 70 jähriger Mann auf, der sehr deutsch aussieht. Bald hat er auch uns entdeckt. Er spricht uns in fließendem Deutsch mit ostpreußischem Akzent an. Er erzählt, dass seine Eltern nach dem 1. Weltkrieg aus Deutschland ausgewandert sind und er seitdem in der Provinz Misiones in Nordargentinien wohnt. In Deutschland war er noch nie und will auch nicht dorthin. Er hat ein bescheidenes Auskommen als Bauer und als Züchter von Zierfischen. Der Bus hält jetzt in vielen kleinen Ortschaften, so dass ich, angeregt durch das Gespräch mit dem alten Mann, mir den hiesigen Menschenschlag näher ansehen kann. Ich stelle fest, dass unser ostpreußischer Argentinier kein Einzelfall ist. Ich sehe viele blonde Menschen, die vom Aussehen her in Deutschland überhaupt nicht auffallen würden. In der Tat hat es viele deutsche Auswanderer in die Provinz Misiones verschlagen.

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Puerto Iguazú

Spät abends erreichen wir nach diesem Busmarathon den Ort an der argentinisch-brasilianischen Grenze. Im zweiten Anlauf finden wir ein preiswertes Hotel, welches noch ein Zimmer frei hat. Am nächsten Morgen erwartet uns eins der großartigsten Naturschauspiele Südamerikas. Die Wasserfälle von Iguazú entschädigen für die lange Anreise voll und ganz. Wir besichtigen die Fälle an einem sonnigen und brütend heißen Sommertag. Der reguläre Omnibus bringt uns zum Eingang des Nationalparks, wo wir den Eintritt in Höhe von 30 Pesos (knapp 10 Euro) entrichten müssen. Falls man an einem zweiten Tag wiederkommt, gibt es 50 % Rabatt. Wir bekommen ein Faltblatt in die Hand gedrückt und haben dann die Qual der Wahl. Auf 3 km Länge stürzt der Rio Iguazú in 275 Kaskaden (!) bis zu 80 Meter in die Tiefe. Mehrere Rundwege laden dazu ein, die Wasserfälle zu erkunden. Wir laufen erst auf dem Cicuito Superior entlang, auf dem man die Fälle von oben betrachten kann, wie der Name schon vermuten lässt.

Argentinische Seite der Iguazú Fälle

Man kommt zu einer Reihe von Balkonen oberhalb der Wasserfälle. Immer wieder ergeben sich tolle Ausblicke auf die zahlreichen einzelnen Wasserfälle, die sich halbkreisförmig in die Schlucht ergießen. Diese Kombination aus subtropischem Dschungel und Wasserfällen hätte von einem Landschaftsplaner nicht besser angelegt werden können als von Mutter Natur.

Danach wandern wir den längeren Circuito Inferior ab, der die Besucher über Treppen ganz dicht an die Wassermassen der Salto Bossetti heranbringt. Schließlich kommt man zum Fuß der Fälle, von wo man auf die Isla Martin per Boot übersetzen kann. Das Treppensteigen auf der kleinen Insel ist wegen des schwül heißen Wetters enorm schweißtreibend. Als wir von der Insel wieder zurück sind, machen wir eine Mittagspause und fahren dann mit einer kleinen Eisenbahn zum eigentlichen Höhepunkt des Wasserspektakels. Zuerst gehen wir eine längere Strecke über Stege und Brücken über den hier breit dahin fließenden Rio Iguazú bis wir am Ende zu einem Aussichtsbalkon direkt an der oberen Kante des Hauptwasserfalls Garganta del Diablo („Teufelskehle") kommen. Die Gischt der 80 m in die Tiefe stürzenden Wassermassen ist so gewaltig, dass ich das untere Ende gar nicht mehr erkennen kann. Die Wasserwolke ist noch kilometerweit zu sehen. Am Nachmittag steht ein Regenbogen permanent über der engen U-förmigen Schlucht. Nur schwer kann ich mich von diesem einmaligen und überwältigenden Anblick lösen.

Zurück in unserem Hotel in Puerto Iguazú rechne ich zusammen, dass ich in der brütenden Hitze dieses Tages bereits rekordverdächtige 5 l getrunken habe. In der etwas kühleren Abendluft gehen wir dann zum Abendessen in einer Parilla. Dort erleben wir an diesem ereignisreichen Tag noch eine unheimliche kulinarische Begegnung der dritten Art.

Wir bestellen eine "Parillada mixta". Eigentlich erwarten wir einen gemischten Grillteller für 2 Personen. Stattdessen bekommen wir eine Ansammlung von gegrillten Rinder- und Hühnerbestandteilen, die größtenteils für uns ungenießbar sind. Die äußerst derbe und fette Blutwurst ist noch eins der besseren Stücke aber bereits grenzwertig. Viele Teile sind schwer zu identifizieren, aber ich glaube es sind gegrillte Luftröhre, nach Zoo schmeckende Nierenteile, verschiedene, sehr bittere Innereien, Blutgefässe, Rippenfragmente und ein falsches Kotelett dabei. Man muss wohl in Argentinien geboren sein, um diese „Parillada mixta" zu mögen.

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Brasilien – Foz do Iguaçú

Am nächsten Morgen fahren wir mit einem normalen Stadtbus nach Brasilien hinüber, denn wir wollen – wie mehrfach empfohlen - die Fälle von beiden Seiten sehen. Beim Grenzübertritt bekomme ich einen argentinischen Ausreise- aber keinen brasilianischen Einreisestempel verpasst. Hoffentlich gibt das bei der Rückfahrt am Abend keine Probleme, denke ich mir.

In der Grenzstadt Foz do Iguaçú angekommen nehmen wir uns einen Taxifahrer, der mit uns zuerst zu einer Wechselstube fährt, wo wir für den heutigen Tag Reais tauschen, der derzeitig praktisch genauso viel wert sind wie ein argentinischer Peso. Dann lassen wir uns weiter zum Eingang des Nationalparks auf brasilianischer Seite bringen. Das Visitor Center ist riesengroß, topmodern und hat einen nordamerikanischen Touch. Von der brasilianischen Seite sieht man die Fälle sozusagen im Breitwandformat. Dafür kommt man meistens nicht so nahe ans Wasser heran wie auf der argentinischen Seite. Auf den Wegen durch den Wald begegnen uns zahlreiche Nasenbären, die ganz und gar nicht scheu sind.

Iguazú Fälle von der brasilianischen Seite

Am Nachmittag sind wir zurück in der Stadt und schauen uns noch ein bisschen um, essen in einem Eiscafé ein Eis, bevor wir uns am Nachmittag auf die Suche nach der Haltestelle des Busses für die Rückfahrt nach Argentinien machen. Bei der Einreise nach Argentinien bekomme ich einen weiteren Stempel, womit die „Buchführung" in meinem Reisepass wieder stimmt.

In Puerto Iguazú trennen sich die Wege von Holger und mir für eine Woche. Während er sich die Strände Südbrasiliens anschauen will, möchte ich mir eher in Ruhe Montevideo und Buenos Aires ansehen und einige organisatorische Dinge erledigen. In Buenos Aires wollen wir uns wieder treffen, um dann gemeinsam nach Ushuaia zu fliegen. Wir haben nämlich im Büro von Aerolinas Argentinas in Puerto Iguazú günstig einen Gabelflug ans Südende des Kontinents gebucht. Damit ersparen wir uns eine Menge Busfahrten und vor allem gewinnen wir die nötige Zeit, um die Highlights Patagoniens noch zu sehen bevor wir Mitte Februar nach Mexiko weiterfliegen.

 

Sommerhitze in Foz do Iguaçú

 

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Montevideo

Mein Bus zur argentinisch-uruguayanischen Grenzstadt Concordia fährt erst um 16.00 Uhr nachmittags des Folgetages ab, leider war kein früherer Bus zu bekommen. Deswegen erreiche ich nach der Nachtfahrt bereits in der Morgendämmerung die Grenzstadt, wo natürlich noch alles geschlossen ist. Wegen meiner schlechten Spanischkenntnisse verstehe ich am Busbahnhof die Weiterfahrtszeit des Busses nach Uruguay falsch, woraufhin ich den Bus nach Rückkehr vom Frühstücksrestaurant verpasse. Doch ich bekomme bald heraus, dass es noch eine weitere Reisemöglichkeit in die uruguayanische Grenzstadt Salto gibt. Um 9.00 Uhr morgens soll ein kleines Motorboot über den Grenzfluss Rio Uruguay übersetzen. Ich lasse mich mit einem Taxi zur Anlegestelle des Bootes bringen und warte mutterseelenallein am Zollhäuschen nahe dem Fluss. Dieser Grenzübergang ist wirklich „off the beaten track". Weit und breit bin ich der einzige ausländische Tourist. Ganze 8 Passagiere finden sich schließlich ein, als das Boot ungefähr eine Stunde später ankommt. Für mich muss der Grenzbeamte einen passenden Stempel erst suchen gehen, denn auf einem deutschen Reisepass ist er nicht vorbereitet. Doch die südamerikanische Bürokratie funktioniert, ich kann die Grenze überqueren. Auch kann ich in Salto problemlos argentinische Pesos in uruguayanische Pesos tauschen. Mit dem Bus fahre ich am Nachmittag direkt weiter in die Hauptstadt Montevideo.

 

Oldtimer in Montevideo

Von Anfang an beschließe ich diese Stadt zu mögen. Irgendwie komme ich mir fast wie in Europa vor, allerdings mit einer Zeitmaschine ein Stück in die Vergangenheit zurückversetzt. Uruguay steckt schon seit Jahren in einer Wirtschaftskrise, die durch die jüngsten Probleme des Nachbarn Argentinien noch verstärkt werden. Überall scheint das Geld für Renovierungen oder Neubauten zu fehlen. Früher war Montevideo aber sehr wohlhabend, was noch gut zu sehen kann. Die beste Zeit hatte die 1,3 Millionenstadt Ende des 19. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Besonders in der Ciudad Vieja sehe ich viele von der Bausubstanz schöne, doch leider arg heruntergekommene Häuser. Mein Mittelklassehotel an der Plaza Cagancha, einige Restaurants, die ich besuche, und das große Kino, in dem ich den zweiten Teil der „Herr der Ringe" Trilogie auf englisch mit spanischen Untertiteln sehe, verströmen den Charme der 60er oder 70er Jahre. Ansonsten ist die Stadt unaufgeregt und ziemlich untouristisch, wenn nicht gerade mal wieder ein Kreuzfahrtschiff im Hafen angelegt hat. In der Ciudad Vieja befindet sich der alte Hafenmarkt „Mercado del Puerto", der sich in ein Mekka für Fleischliebhaber verwandelt hat. In der Markthalle befindet sich ein Restaurant neben dem anderen, in denen am Vormittag bereits wahre Fleischberge gegrillt werden. Ich frage mich, wer das alles essen soll, denn viel ist nicht gerade los. Ich setze mich an den Tresen einer Parilla und leiste meinen bescheidenen Beitrag zur Reduktion der Fleischtürme, indem ich ein saftiges „Filet de lomo" verspeise.

Am Nachmittag lande ich bei meinem Stadtrundgang auf der großen Plaza Independencia, wo der extravagante Baustil des Palacio Salvo meine Aufmerksamkeit erregt. Das 26 Stockwerke hohe Gebäude im Art Deco Stil war bei seiner Eröffnung 1927 das höchste Gebäude in Südamerika. Der Turm des Gebäudes erinnert ein wenig an eine startbereite Rakete mit vier seitlich angebrachten „Boostern". Völlig unpassend ist jedoch der Sendeturm auf dem Dach (auf dem Foto absichtlich abgeschnitten).

 

Palacio Salvo in Montevideo

Wie bereits in Argentinien fallen mir auch in Uruguay viele Passanten auf, die in der einen Hand ein Mate-Trinkgefäß tragen, aus dem der charakteristische metallene Strohhalm Bombilla herausragt. Unter den Arm geklemmt haben sie eine Thermoskanne mit heißem Wasser dabei. Das rundliche Trinkgefäß ist randvoll mit den Yerba Mate Blättern gefüllt, die bei Bedarf mit einem neuen Schwung heißem Wasser übergossen werden. Beim Warten an der Fußgängerampel wird z.B. schnell ein Schluck genommen. Man sagt, die Uruguayaner seien noch verrückter auf dieses Getränk als die Argentinier. Immerhin ist Argentinien der Hauptproduzent der Yerba Mate Blätter und auch der weltweit größte Verbraucher. Dummerweise wird dieses Nationalgetränk nicht in Restaurants angeboten, so dass ich es bis jetzt noch nicht im „Originalstil" probieren konnte.

Am Mittag meines dritten Tages in Montevideo kann ich die zur Entwicklung abgegebenen Diafilme abholen, die seit dem Verlassen von Neuseeland angefallen sind. Ich gehe ein letztes Mal in Montevideo essen, sammle meinen Rucksack im Hotel ein, wo ich bereits am Morgen ausgecheckt habe, und dann fahre ich mit dem Taxi zum Hafen. Dort nehme ich eine Schnellfähre, die mich in 2 ½ Stunden über den Rio de la Plata hinüber nach Buenos Aires bringt. Der Spaß kostet mich stolze 43 USD. Die Abfertigung der Passagiere geschieht wie auf einem Flughafen mit Duty Free Shops und ähnlichem. Die Fähre ist ein ausgesprochen hässliches Schiff im Katamaranstil, dafür mit 37 Knoten aber sehr schnell.

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Buenos Aires

Mit 12 Millionen Einwohnern ist dies mit Abstand die größte Stadt unseres Südamerikaaufenthaltes. Die Entfernungen in der Stadt sind riesig und das U-Bahn Netz ist leider sehr dünn. Die Busse brausen mit verbrecherischer Geschwindigkeit durch die Stadt, doch ist nicht einfach herauszufinden, welcher der richtige ist. Zum Glück sind die Taxis spottbillig. Wie immer ist es aber am besten, die Stadt zu Fuß zu erkunden.

Der erste Tag in Buenos Aires geht mit organisatorischen Tätigkeiten komplett drauf. Ich schicke mit dem Expressversender DHL ein weiteres Päckchen nach Hause und erstehe nach intensiver Suche einen englischsprachigen Reiseführer für das nächste Etappenziel Mexiko. Letzteres ist ziemlich schwierig gewesen, so dass ich am Abend das Gefühl habe, sämtliche größeren Buchhandlungen der Stadt zu kennen. Mehrfach muss ich dazu mit der „Subte" genannten U-Bahn hin- und herfahren und lege größere Strecken zu Fuß zurück. Auf diese Weise habe ich nebenbei eine ganz gute Orientierung in der Riesenstadt gewonnen.

 

Am zweiten Tag beginnt mein touristisches Programm. Am Morgen statte ich erst dem markanten Obelisk an der Avenida 9 de Julio einen Besuch ab. Die besagte Avenida ist mit 16 Fahrspuren bestimmt einer der breitesten Straßen der Welt und dazu ist die Überquerung ein Alptraum für Fußgänger. Die Hauptsehenswürdigkeit an diesem Tag ist aber der Besuch eines Friedhofs!

Im Stadtteil Recolata gibt es einen Prominentenfriedhof der seinesgleichen sucht. Die Argentinier sind bekannt für ihren Totenkult. Auch der Leichnam der Nationalheldin Evita Perón hat nach einer kuriosen Irrfahrt mit den Stationen Mailand und Madrid hier seine Endstation gefunden.

Als ich den Friedhof im Norden der Stadt erreiche, staune ich nicht schlecht. Ich wandele durch eine Art Miniaturstadt mit kleinen Gassen, die von mehr als mannshohen Grabbauten gesäumt sind. Die reichsten Familien von Buenos Aires haben hier aufwendige Familiengräber angelegt, die sich in ihrer Pompösität und ihrem Pathos gegenseitig zu übertrumpfen versuchen. Geschmacklich geht da schon mal die eine oder andere Konstruktion daneben. Ich sehe kleine Mausoleen, Miniaturkirchen, pyramiden-förmige Gräber und marmorgetäfelte Totenhäuser. Meist ist ein Grab nicht nur für eine Person errichtet worden, sondern als Familiengruft. Abgesehen von der breiten Mitteltrasse fehlen jegliche Pflanzen auf diesem Friedhof. Ich schweife mehr durch eine Totenstadt als über einen normalen Friedhof. Dieser Ort ist ein Schauplatz der Eitelkeit und gewährt einen interessanten Einblick in die argentinische Psyche. So etwas habe ich vorher noch nicht gesehen.

 

Zurück in der Innenstadt schaue ich mir noch den Präsidentenpalast Casa Rosada von außen an. Vor ziemlich genau einem Jahr haben sich hier in kürzester Zeit mehrere Präsidenten die Klinke in die Hand gegeben. Inzwischen haben sich die Verhältnisse aber beruhigt. Von der schweren Wirtschaftskrise, in der das Land steckt, ist oberflächlich nichts zu merken.

Am Abend treffe ich schließlich Holger wieder. Per Email hatte ich ihm mitgeteilt, in welchem Hotel ich ein Zimmer reserviert habe. Wir gehen gemeinsam in einem etwas nobleren Restaurant in der Innenstadt essen.

Den dritten Tag in Buenos Aires nutzen wir zu einem Ausflug in das im Süden gelegene Stadtviertel La Boca. Der Stadtteil ist ein Arbeiter- und Einwandererviertel, der für seine kunterbunt gestrichenen Häuser aus Wellblech bekannt geworden ist. Seitdem ist er fest in das touristische Programm aufgenommen worden. Leider ist der Bereich mit den bunten Wellblechhäusern ziemlich klein und schnell erkundet. Ganz in der Nähe liegt ein Hafenbecken, der als eine Art Schiffsfriedhof genutzt wird. Wir erkunden auch diese Gegend und sehen dabei viele sensationell verrostete und Leck geschlagene Schiffswracks, was ich beinahe noch interessanter finde als die bunten Häuser.

Wellblechhäuser in La Boca

Mit dem Bus fahren wir in das Zentrum zurück und halten eine Siesta, denn die Sonne und die große Hitze in La Boca haben uns zugesetzt. Am Abend besuchen wir schließlich eine Tango-Show, die ebenfalls zum touristischen Standardprogramm in Buenos Aires gehört. Wir erleben eine hoch professionelle Show mit Tangotänzern, Live-Musik von 2 Kapellen, Einlagen mit der typischen Altiplano-Musik und einem Akkordeontrio, das mit Inbrunst und großem Können die melancholische Tangomusik erklingen lässt. Insgesamt ein gelungener Abend und ein schöner Abschluss der Tage in Buenos Aires. Am nächsten Tag brechen wir mittags zum Flughafen Aeroparque auf, von dem unser Inlandsflug nach Ushuaia abgeht. Nach der extremen hochsommerlichen Hitze der letzten beiden Wochen erwartet uns nun das kühle und windige Patagonien.

 

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