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Neuseelands Nordinsel (11.11.02 – 29.11.02)

 

Auf dem Flughafen von Auckland treffe ich meinen Freund Wolfgang. Er ist breits um 6 Uhr morgens aus Deutschland via Los Angeles am Flughafen eingetroffen und dementsprechend müde. Da wir nun ja wieder zu zweit unterwegs sind, gönnen wir uns den „Luxus" eines Leihwagens. Bereits am Flughafen übernehmen wir unseren (etwas schwach motorisierten) Ford Laser. Da ich keinen Jetlag zu verdauen habe und außerdem den Linksverkehr aus Australien schon gewöhnt bin, setze ich mich erst einmal ans Steuer und Wolfgang navigiert mich durch Auckland hindurch nach Norden. Unser erstes Ziel ist die Bay of Islands. Doch heute schaffen wir die weite Strecke nicht mehr und fahren eigentlich nur noch aus dem Großraum Auckland hinaus. Wir übernachten in einem Pub-Hotel in dem Ort Warkworth, das wir auf gut Glück gefunden haben. Frisch ausgeruht geht es am nächsten Morgen weiter zu der Bay of Islands. Die Quartiersuche in Paihia stellt sich als etwas schwierig heraus. Viele Herbergen sind schon ausgebucht oder zu teuer, obwohl es noch gar keine Hochsaison ist. Schließlich finden wir in der Saltwater Lodge ein schönes und geräumiges Zimmer mit Meerblick, welches jedoch recht teuer ist (70 NZ$). Wir ziehen daraus die Lehre, dass wir zukünftig das Quartier im jeweils nächsten Tagesziel telefonisch reservieren wollen. Das hat natürlich den Nachteil, dass man sich die Lokalität vorher nicht ansehen kann.

In Paihia kommt bei mir das Gefühl von Sommer auf. Das Licht ist unglaublich hell, der Sonnenstand ist wie bei uns im Hochsommer. Nur die Temperaturen passen noch nicht so recht dazu. Seit ein paar Tagen bläst der Wind vorherrschend aus Südwest, wo ja bekanntermaßen die Antarktis liegt. Das Quecksilber steigt tagsüber nur auf bescheidene 20 °C.

Wir unternehmen eine Bootsfahrt durch das Inselgewirr der Bay of Islands (zusammen mit „nur" 173 anderen Passagieren) mit einem schnittigen Katamaran. Pünktlich zur Abfahrt setzt ein Regenschauer ein, der die Sicht verschlechtert und die Passagiere decken suchen läßt. Die Hauptattraktion auf der Bootsfahrt ist der Felsen Piercy Island mit dem berühmten „Hole in the rock". Bis wir dieses Ziel erreicht haben, ist der Regen zum Glück wieder abgezogen. Es ist der Ehrgeiz des Kapitäns sein Schiff durch dieses Felstor hindurch zu steuern. Nach erfolgter Passage wendet unser Kapitän und fährt sogar ein zweites Mal hindurch, damit auch alle Passagiere die Gelegenheit zu einem Foto haben.

 

Hole in the rock

Bay of Islands - Hole in the rock

Gegen Mittag erreichen wir eine Insel mit dem zungenbrecherischen Namen Urupukapuka Island. Dort verlassen wir das Boot und unternehmen eine dreistündige Wanderung quer über die Insel. Dabei ist ein ungemütlicher und kalter Wind unser ständiger Begleiter. Macht der kalte Wind mal eine kurze Pause, dann wird es in der Sonne sogar richtig warm. Meine Oberkleidung wechselt vom kurzärmeligen Hemd bis hin zu Fließpullover und Windjacke mehrfach hin und her. Wenn ich anstelle von James Cook die Bay of Islands entdeckt hätte, dann hätte ich sie jedenfalls „Bay of gusty winds" getauft. Auf der Rückfahrt mit einem späteren Schiff lassen wir uns bis zu dem kleinen Örtchen Russell auf der anderen Seite der Bucht bringen. Der ruhige Ort ist ein angenehmer Kontrast zu dem sehr touristischen Paihia. Alte Holzhäuser säumen die kleine Uferpromenade und laden zu einem Spaziergang ein. Der Ort ist einer der ersten europäischen Siedlungsplätze in Neuseeland und war Schauplatz von Gefechten in den Maorikriegen im Jahr 1845. Die Bay of Islands hat enorme geschichtliche Bedeutung für Neuseeland. Hier wurde 1840 der Vertrag von Waitangi zwischen 46 Maorihäuptlingen und den Engländern geschlossen. Der Vertrag sollte das friedliche Zusammenleben zwischen Maoris und den ersten europäischen Siedlern regeln, doch kam es wenige Jahre später zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Dennoch ist der Vertrag bis heute eine wichtige Grundlage für das Verhältnis zwischen Maoris und Weißen.

 

Kauri Baum Bei sonnigen Wetter brechen wir am nächsten Morgen auf. Heute machen wir reichlich Bekanntschaft mit den kurvigen neuseeländischen Landstraßen. Ständig bergauf und bergab führt uns die Strecke quer durch das Nordland bis zu dem Waipoua Kauri Wald. Mir tun die Radwanderer leid, die sich auf den Landstraßen (ohne Radwege) über die hügelige Topographie der Nordinsel quälen. Nach 2 Stunden Kurbelei sind wir schließlich da. Doch die Anfahrt hat sich gelohnt. Von den einst riesigen Kauriwäldern ist nur noch ein kleiner Rest übrig. Hier können wir einige der gewaltigen Kauribäume zu Gesicht bekommen. Bei einer kleinen Wanderung durch den Wald sehen wir den größten, den zweitgrößten und den siebtgrößten Kauribaum. Trotz der Höhe von 50 m wirken die geraden Stämme gedrungen, da sie ausgesprochen massiv sind. Ein Baum hat einen Stammumfang von 13,7 Metern, ein anderer sogar von 16 Metern. Der größte Kauribaum soll ca. 2000 Jahre alt sein. Sehr interessant finde ich auch die Rinde, die wie ein Patchwork aus handtellergroßen, verschiedenfarbigen Schuppen aussehen.

 

 

 

 

 

 

 

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Coromandel Halbinsel

Mit einer Zwischenübernachtung in Orewa (Backpacker „Marco Polo Inn" – sehr empfehlenswert) gelangen wir zur Coromandel Halbinsel. Auch wenn die Landstraße entlang der Westküste der Halbinsel sehr schön direkt am Wasser entlang führt, sollte man sich doch auf der Ostküste einquartieren, die dem offenen Meer zugewandt ist. Wir finden in dem beschaulichen Örtchen Hahei ein nettes Quartier in der Tatahi Lodge. Zum Strand sind es nur wenige Meter. Eine schöne Bucht spannt sich zwischen einem Bach auf der einen Seite und Felsen auf der anderen Seite auf. Gegenüber der Bucht liegt eine kleine bewaldete Insel. Die Temperaturen sind frühsommerlich angenehm, das klare Wasser schimmert türkisblau, der Sandstrand ist perfekt, so dass mich nichts mehr von einem Bad im Meer abhalten kann. Zum ersten Mal seitdem ich die australische Ostküste verlassen habe, schwimme ich wieder im Meer. Nach nur wenigen Minuten bin ich aber wieder draußen, denn die Wassertemperaturen sind leider immer noch erfrischend.

Nicht weit von Hahei befindet sich das bekannte Felstor „Cathedral Cove". Zwei malerische Strandbuchten sind von einem Felsdurchgang voneinander getrennt, dass man nur bei Ebbe trockenen Fußes durchqueren kann. In der hinteren Bucht streckt sich ein imposanter weißer Felsen in die Höhe.

Felsen an der Cathedral Cove

Cathedral Cove

Eine weitere Attraktion nahe Hahei ist der bekannte „Hot water beach", zu dem wir nach dem Besuch an der Cathedral Cove fahren. Unmittelbar am Strand befindet sich eine heiße Quelle unter dem Sand. Bei Ebbe kann man sich einen kleinen Pool - mit geothermaler Heizung von unten – direkt am Strand buddeln. Der Sand wird dabei so heiß, dass man ihn unbedingt mit Meerwasser abmischen muß. Einige Leute haben sich schon ihre Badehose verbrannt. Leider ist der Effekt auf einen ganz kleinen Abschnitt begrenzt, was zur Folge hat, dass sich fast alle Leute in dem einzigen großen Pool tummeln, der von unten beheizt wird. Ein paar Meter weiter links oder rechts kann man soviel im Sand schaufeln wie man will, doch auf warmes „Grundwasser" stößt man nicht.

Später am Nachmittag fahren wir mit unserem Auto bis zu dem Fähranleger Ferry Landing und setzen mit einem Boot nach Whitianga über (3500 Einwohner). Dort kaufen wir fürs Abendessen ein, das wir in der Gemeinschaftsküche der Tatahi Lodge zubereiten. Am Abend machen wir noch einen Strandspaziergang bevor wir die Coromandel Halbinsel am nächsten Tag verlassen.

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Rotorua bis Napier

Allmählich haben wir gelernt, dass wir auf den Landstraßen Neuseelands nur langsam vorwärts kommen. Auch wenn die Entfernungen nicht sehr groß sind, brauchen wir für die Fahrten doch immer eine Menge Zeit. Zeitabschätzungen, die sich an deutschen Autobahnverhältnissen orientieren, sollte man hier ganz schnell vergessen. Heute wollen wir von der Coromandel Halbinsel bis Rotorua fahren. Erst gegen Nachmittag erreichen wir Rotorua und brauchen wieder eine Menge Zeit bis wir im dritten Anlauf ein freies Zimmer gefunden haben. Dummerweise hatten wir nicht telefonisch vorreserviert.

Der Himmel hat sich wieder zugezogen, kräftige Regenschauer dämpfen unseren Tatendrang, so dass wir erst am Abend einen Spaziergang durch den Ort und bis zum Seeufer des Lake Rotorua machen. Danach sind wir ordentlich druchgefroren (ca. 10 °C Außentemperatur) und wärmen uns in einem japanischem Restaurant beim Abendessen auf.

Rotorua ist nicht nur ein bedeutendes Zentrum der Maorikultur, sondern auch die geothermale Hauptstadt Neuseelands. Wir besichtigen die zwei geothermischen Parks Whakarewarewa und Wai-O-Tapu, wobei der eine im Süden der Stadt liegt und der andere auf halbem Weg zum Lake Taupo zu finden ist (32 km südlich von Rotorua).

Ich hatte vorher noch keine Geysire gesehen, dementsprechend neugierig bin ich. Der äußerst aktive Pohutu Geysir im Whakerewarewa Park tut mir den Gefallen, mit einem nicht enden wollenden Ausbruch an diesem Vormittag. Immer wieder nimmt er neuen Anlauf und spuckt das Wasser gut 10 m in die Höhe. In Ruhe können wir uns das Spektakel von allen Seiten ansehen, Als wir gehen ist der Ausbruch immer noch nicht zu Ende. Ansonsten gefallen mir die vielen blubbernden und spritzenden Schlammlöcher. Überall dampft und zischt es. Es riecht abwechselnd nach Schwefelwasserstoff (faule Eier) und Schwefeldioxid (stechend). Im Eintrittspreis inbegriffen ist auch eine Maori-Tanzvorstellung. Die Show ist sehr gefällig, die Musik erinnert mich an die aus Hawaii bekannten Klänge.

Maori Haus

Maori Haus im Whakarewarewa-Park

Am Nachmittag besuchen wir das Rotorua Museum, das in dem sehr schönen historischen Bath House aus dem Jahr 1908 untergebracht ist. Das im Tudor-Stil errichtete Haus ist für mich das schönste Gebäude auf der Nordinsel. In dem Museum kann man die Geschichte Rotoruas als Thermalbad an sich vorbeiziehen lassen und den verheerenden Ausbruch des Vulkans Tarawera im Jahr 1886 in einem gut gemachten Kinofilm erleben. Das Erdbeben während des Vulkanausbruchs wird in dem Kinosaal durch wakelnde Sitzreihen und Soundeffekte sehr gut simuliert. Wir lassen den Tag mit einem Besuch in dem Thermalbad „Polynesian Spa" ausklingen. In verschiedenen Pools mit Wassertemperaturen von 36 °C bis zu 42 °C kann man sich in dem schwefelhaltigen und äußerst trüben Wasser einweichen lassen. Das 42 °C heiße Becken ist nur etwas für die ganz „Abgebrühten" und wird von Japanern bevorzugt. Nach dieser entspannenden Einweichprozedur haftet uns der merkwürdige Schwefelgeruch noch eine ganze Weile an.

Der folgende Tag geht fast komplett für einen Zahnarztbesuch und einer Irrfahrt im Regen drauf. Bei mir hatte sich in den letzten Tagen ein überkronter Backenzahn mit starker Temperaturfühligkeit gemeldet, die von alleine nicht wieder verschwinden wollte. Telefonisch hatte ich für den Vormittag ein Zahnarzttermin ausgemacht und begebe mich zur Untersuchung. Der neuseeländische Zahnarzt ist ausgesprochen freundlich und bemüht, die Ursache für den dumpfen Schmerz auszumachen. Auf dem Röntgenbild des betroffenen Zahnes ist nicht viel zu sehen, so daß ich erst einmal die vermutete Entzündung mit einer Ladung Antibiotika bekämpfen soll, bevor evtl. zu drastischeren Maßnahmen gegriffen wird. Nach der Einnahme einer Packung Antibiotika gibt der Backenzahn zum Glück wieder Ruhe. Bis zum Ende der Reise habe ich keinen weiteren Ärger mit dem Zahn.

Unser nächstes Ziel ist Napier, wobei der Weg über Taupo am gleichnamigen See führt. Wir haben uns entschieden, zuerst an die Ostküste nach Napier und dann nach Wellington zu fahren, bevor wir auf dem Rückweg den Tongariro National Park ansteuern wollen. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist für die Bergregion gar nicht gut. Wir vermuten, dass dort oben mit schlechter Sicht und sogar Schnee zu rechnen ist. Dies ist keine optimale Voraussetzung für die beabsichtigte Wanderung im Tongariro National Park, die immerhin auf fast 2000 m Höhe führt. Durch die Schleife über Napier und Wellington gewinnen wir ein paar zusätzliche Tage mit der Chance auf Wetterbesserung.

Das Highlight auf dem Weg nach Napier ist der Besuch des Thermalgebietes Wai-O-Tapu mit dem Untertitel „Thermal Wonderland". Hier geht es sehr bunt zu. Eine Hauptattraktion ist der ständig dampfende Champagne Pool. Wie in einem Glas Champagner perlen Kohlendioxidblasen an die Oberfläche. Ein Glas Champagner würde ich aber vorziehen, denn der See enthält einen Chemikaliencocktail aus den Elementen Silber, Quecksilber, Schwefel, Thallium, Arsen und Antimon. Das klingt mehr als gesundheitsschädlich.

Faszinierend finde ich das Farbenspiel, das Mutter Natur herbeigezaubert hat. Am Ufer des Champagne Pool hat sich ein leuchtender, orangeroter Kranz aus Ablagerungen gebildet, weiter innen schimmert der Pool grün bis gelb. Bei der Rundwanderung durch den Thermalpark komme ich aus dem Staunen nicht hinaus. Dicht beieinander sehen wir alte, dampfende Krater, Einsturzlöcher, blubbernde Erdspalten und am Ende noch einen Tümpel („Devil’s bath") mit einer total undurchsichtigen, grünen Färbung – wie ein riesiger Topf mit Erbsensuppe. Zweifelsohne ist hier direkt unter der Erdkruste eine Menge los.

Dem zugehörigen Geysir im Park muß nachgeholfen werden, damit er einmal täglich einen Ausbruch vorführt. Das Ganze hat einen sehr kommerziellen Anstrich à la Disney Land. Rund um den Geysir sind Sitztribünen aufgebaut worden. „Bitte zum nächsten Geysirausbruch um 10.15 Uhr Platz nehmen", heißt es dann auch. Daraufhin schmeißt ein Mitarbeiter des Parkes eine Packung Seife in den Geysirschlund, hält direkt neben dem Geysir eine Ansprache und macht sich rechtzeitig aus dem Staub. Zuerst passiert gar nichts, dann kommen Schaumwürste aus der Geysiröffnung und schließlich folgt ein kurzer aber heftiger Ausbruch, der je nach Windrichtung auch die Zuschauer nicht verschont. Es ist keine schlechte Idee, einen Regenschirm parat zu halten.

Die Weiterfahrt führt uns durch eine Region, die ich das „neuseeländische Outback" nennen möchte. Die Straße von Taupo bis Napier ist sehr einsam, keine nennenswerten Ortschaften liegen auf der 150 km langen bergigen Strecke. Dafür fahren wir fast ausnahmslos durch Wald und haben zur Abwechslung mal wieder Regen.

In Napier werden wir mit Sonnenschein begrüßt. Die Stadt ist wegen ihrer vielen Art Deco Gebäude sehenswert. Ein Erdbeben hatte die Stadt genauso wie die Nachbarstadt Hastings 1931 fast komplett zerstört. In den folgenden Jahren wurde die Innenstadt einheitlich im Art Deco Stil wieder aufgebaut, der zu dieser Zeit modern war. Durch diesen Umstand sind in der ganzen Innenstadt sehr viele schön erhaltene und in Pastelltönen gestrichene Art Deco Gebäude zu sehen. Wir machen einen langen Spaziergang durch die Stadt (mit Hilfe einer Broschüre von der Touristeninformation), und genießen das angenehme und unaufgeregte Flair der Stadt, sowie die vielen schönen Häuserfassaden. Klimatisch ist diese Region auch begünstigt. Napier, an der Hawke Bay gelegen, bekommt überdurchschnittlich viel Sonnenschein ab. Diese Region ist auch ein gutes Weinanbaugebiet auf der Nordinsel.

Hastings wurde zwar von dem Erdbeben auch getroffen, doch sind hier nicht so viele Art Deco Gebäude zu sehen. Wir machen dort nur einen einstündigen Zwischenstopp auf unserem Weg nach Wellington. Irgendwie hat es sich auf der Nordinsel so eingependelt, dass wir an Fahrtagen immer Regenwetter haben und an den besuchten Orten dann besseres Wetter. Dieses zufällige Wetterschema bleibt uns erstaunlicherweise bis Auckland erhalten. Dies ist auf jeden Fall besser als andersherum.

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Wellington

Die neuseeländische Hauptstadt Wellington macht trotz der offiziell nur 200.000 Einwohner einen erheblich größeren Eindruck auf mich als Christchurch. Dies mag daran liegen, dass viele Neuseeländer aufgrund des Platzmangels in Wellington in die benachbarten Schlafstädte Upper Hut und Lower Hut gezogen sind und deren Einwohnerzahl eigentlich Wellington dazuzurechnen wäre. Die Stadt wird auf der einen Seite vom Hafenbecken und auf der anderen Seite von steil aufragenden Hügeln begrenzt. Die Hochhäuser der Innenstadt verstärken den Eindruck, sich in einer weit größeren Stadt zu befinden. Wir kommen sehr zentral in der (hektischen) Jugendherberge unter. Das Auto wird etwas außerhalb (kostenlos) in einem Wohngebiet geparkt. Die weitere Erkundung der Stadt machen wir zu Fuß. Getreu unserem Wetterschema haben wir am nächsten Tag strahlenden Sonnenschein, so dass ich es schon fast bereue, einen großen Teil des Tages im Museum zu verbringen. Auf dem Programm steht das hochgelobte Nationalmuseum „Te Papa". Der futuristische Bau wurde 1998 eröffnet, kostet keinen Eintritt, und liegt direkt am Hafenbecken. Es wird ein Rundumschlag durch die Geschichte, Kultur und Natur von Neuseeland geboten. Dazu gibt es jeweils Sonderausstellungen zu bestimmten Themen. Es wird viel mit Multimediaeffekten gearbeitet, für meinen Geschmack geht es oft zu laut und zu bunt daher. Nach dem Besuch brummt mir der Schädel, zu viele Themen und zu viel Effekthascherei anstelle vernünftig aufbereiteter Themen. Am Nachmittag wollen wir das schöne Wetter noch nutzen und fahren mit der Cable Car in den schönen botanischen Garten. Dieser liegt in Hanglage oberhalb der City. Von hier hat man eine schöne Aussicht auf die Innenstadt und die Bucht. Langsam schlendern wir durch den botanischen Garten abwärts und wieder in die Innenstadt zurück. In einem guten italienischen Restaurant lassen wir den Tag ausklingen.

Wellington

Wellington – Zahnradbahn zum botanischen Garten

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Tongariro National Park

Wir legen noch einen Ruhe- und Shoppingtag in Wellington ein bevor wir wieder ins Inselinnere fahren. Unser Ziel ist der kleine Ort Turangi, von wo wir morgen das Tongariro Crossing in Angriff nehmen wollen. Unser Weg führt uns östlich des zentralen Vulkanmassivs auf der so genannten Desert Road nach Turangi. Die Gegend liegt im Regenschatten der drei großen Vulkane Mt. Ruapehu (2797 m), Mt. Ngauruhoe (2287 m) und Mt. Tongariro (1967 m). Daher ist der Name „Desert Road" gar nicht so unpassend gewählt. Ganz untypisch für Neuseeland wird die Vegetation ziemlich spärlich und bald bedeckt nur noch bräunliche Busch- und Grasvegetation den Boden. Zu Beginn können wir die Gipfel noch einigermaßen gut sehen, doch bald werden die Wolken dichter und am Nachmittag setzt wieder Regen ein – schließlich haben wir wieder einen Fahrtag.

Wir checken in einem Backpackerhostel ein und organisieren noch den Bustransport für den nächsten Tag, denn die Tongariro Wanderung ist eine Streckenwanderung, die irgendwo im nirgendwo anfängt und aufhört. Aufgrund der Wetterverhältnisse haben sich viele Wanderwillige in dem Ort angesammelt, die alle am morgigen Tag mit guter Wettervorhersage die sehr beliebte Strecke angehen wollen. Angeblich handelt es sich um den „finest one day walk" in Neuseeland. Dementsprechend groß ist der Auftrieb am Streckenbeginn. Am Trailanfang in 1100 m Höhe werden die Wanderer scharenweise von insgesamt sechs Bussen ausgespuckt, so dass ich spöttisch von der „Tongariro Prozession" rede. Doch verteilen sich die Leute einigermaßen gut auf der 17 km langen Strecke. Wir werden von strahlend blauem Himmel und einer fantastischen Fernsicht begrüßt. Nicht nur der nahegelegene Mt. Ruhapehu lässt sich klar erkennen, sondern auch der 135 km entfernt liegende Gipfel des Mt. Egmont (Taranaki) ist zu sehen.

Nach Durchqueren eines Tales beginnt bald ein ziemlich ruppiger und steiler Aufstieg, der auf einen Sattel in knapp 1700 m Höhe führt. Wolfgang, der solche Wanderungen gar nicht gewöhnt ist, kommt beim Anstieg ganz schön ins Schwitzen. Von dem Sattel hat man einen schönen Ausblick auf den Mt. Ngauruhoe. Der Vulkan ist Ende November noch schneebedeckt und kann von entsprechend erfahrenen Wanderern als Seitenabstecher bestiegen werden. Ich bin erstaunt wie schnell sich das Wetter hier oben ändert. Noch eben genieße ich den Blick auf den perfekt geformten Vulkankegel und Minuten später hüllt dieser sich schon in Wolken. Nach dieser Pause führt der Weg weiter auf einem Grat zum Rand der Red Crater. Hier erreicht der Weg mit 1890 m seinen höchsten Punkt. Durch loses Geröll und viel Sand geht es jetzt wieder steil bergab. Dabei wird man mit dem Ausblick auf die rechts des Weges liegenden drei kleinen Emerald Lakes belohnt. Der Name ist passend gewählt. Die Seen sind in dieser unwirtlichen und lebensfeindlichen Vulkanlandschaft besonders schöne Farbtupfer.

Emerald Lakes

Emerald Lakes

Nach dem Abstieg vom Red Crater ist der Weg eine Weile recht eben. Einige zu querende Schneefelder erinnern uns daran, dass der Frühling hier oben viel später beginnt. Wir passieren den ziemlich unspektakulären Blue Lake und nun beginnt der lange Abstieg entlang der Ostflanke des Mt. Tongariro. Der ausgefranste Gipfel des Vulkans ist in den Wolken verschwunden, es bleibt aber zum Glück trocken. Dafür bietet sich vom Weg immer wieder ein weiter Blick auf die Ebene nördlich von uns. Wir sind bald unterhalb der Wolkengrenze und können bis zum Lake Taupo blicken. Der Abstieg ist hervorragend ausgebaut, und es läuft sich gut (es geht immerhin 1100 Höhenmeter hinunter!). Dies ist kein Vergleich zu dem kniemordenden Abstieg am Mackinnon Pass auf dem Milford Track. Außerdem habe ich ja diesmal nur meinen kleinen Tagesrucksack anstelle des großen Rucksacks zu tragen. Serpentinenartig führt der Weg bald ins Tal hinunter und erst spät erreichen wir die Baumgrenze. Nun ist es vorbei mit den weit schweifenden Blicken. Immer wieder gibt es einzelne Treppenpassagen und nach gut 7 h Wanderzeit erreichen wir schließlich den Parkplatz an der Ketehai Hütte, wo uns nach kurzer Pause unser Bus einsammelt.

Zurück in unserem Hostel gibt es eine erfrischende Dusche und dann gehen wir noch in einem chinesischen Restaurant essen. (Dabei erwische ich ein phänomenal schlechtes „Lemon Chicken" mit einer süßlichen, klebstoffartigen Soße.)

Nach diesem Highlight steht als letztes Ziel nur noch Auckland auf unserem Programm. Die Zeit in Neuseeland ist fast rum, nur noch 3 Tage bleiben mir, bevor wir weiterfliegen. Wie mittlerweile bereits erwartet, regnet es natürlich auf der ganzen Fahrt nach Auckland (entgegen der Wettervorhersage!). Vor uns liegen ca. 350 km Landstraße. Um den Tag etwas interessanter zu gestalten machen wir einen Zwischenstopp bei den Höhlen von Waitomo. Höhlen kann man ja auch im strömenden Regen problemlos besichtigen. Für eine 45 minütige Führung mit Bootstour auf dem unterirdischen Waitomo Fluss muss ich heftige 25 NZ$ Eintritt berappen. Auf der Bootstour sieht man über sich zahllose Glühwürmchen leuchten – ausgesprochen nett. Ein Sternenhimmel in Miniatur, sozusagen. Ansonsten wird mein Vorurteil gegen Tropfsteinhöhlen wieder bestätigt (= sehen überall gleich aus).

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Auckland

In Auckland checken wir in dem Hostel „Albert Park Backpackers" in der Innenstadt ein, nachdem wir unser Auto in einem Parkhaus entsorgt hatten. Wir bekommen ein Zimmer ohne jegliche Lüftungsmöglichkeit und ohne Außenfenster zugeteilt. Ich beschwere mich unmittelbar nach Besichtigung des Zimmers bei der Rezeption und weise darauf hin, dass wir schon einige Tage im voraus telefonisch reserviert hätten und keine Lust auf einen Abstellraum hätten. Doch angeblich ist nichts anderes mehr frei. Wegen der vielen kurzfristigen Besucher aus Australien (Konsequenz des "Bali Bombing") sei Auckland praktisch ausgebucht, wird mir vom Hostelpersonal mitgeteilt. Ich gebe klein bei und will es mit dem Zimmer diese Nacht versuchen. Doch die Nacht wird grauenhaft. Zusätzlich zu der warmen und sehr schlechten Luft, wummert die halbe Nacht im Keller eine Diskothek mit solch einer Lautstärke, dass die Bässe vier Stockwerke höher trotz Ohropax sehr störend zu hören sind. Am nächsten Morgen kriegt die Rezeption sehr deutlich meine Meinung zu hören, dass auch die Umstehenden deutlich mithören können. Wir checken vorzeitig aus und ziehen in ein anderes, leider deutlich teureres Hotel um. Dies war mit Abstand das schlechteste Hostel während meiner ganzen Zeit in Australien und Neuseeland – also besser die Finger weg lassen vom „Albert Park Backpackers".

Irgendwie habe ich keine große Lust mehr, in Auckland alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Nach dem Hotelwechsel am Morgen fahren wir eher etwas lustlos zum Aussichtsberg Mt. Eden (196 m). Von hier aus sieht man die ganze Innenstadt mit dem markanten Fernsehturm vor sich. Auf der anderen Seite des Berges kann man auf die weitläufigen Wohngebiete Aucklands schauen. Zu beiden Seiten wird die Stadt vom Meer begrenzt. Es gibt viele Buchten und sehr, sehr viele Segelboote. Zu Zeit unseres Besuches tobt das Auscheidungsrennen der Herausforderer für den America’s Cup – der Formel 1 des Segelsports. Wir bekommen sehr deutlich mit, dass die Neuseeländer begeisterte Segler sind. Die Rennen des Ausscheidungscups werden mit großem Interesse verfolgt. (Den eigentlichen America’s Cup sollte der Herausforderer Neuseeland dann später ziemlich schmählich gegen die bekannte Seefahrernation Schweiz verlieren.)

Am Abend treffe ich Holger wieder. Wir gehen zu dritt koreanisch essen. Holger hat die letzten sieben Wochen komplett auf der Nordinsel verbracht. Das mit dem Jobben hat leider nicht geklappt. Dafür hat er mit seinem Zelt und der Fortbewegung als Tramper neue Low Budget Rekorde aufgestellt und somit sein Reisebudget kräftig geschont. Sein deutlich niedrigeres Budget ist für das gemeinsame Reisen durchaus problematisch und gibt häufig Anlaß zu Diskussionen bei kostenrelevanten Entscheidungen.

Am letzten Morgen besuchen wir noch den Skytower von Auckland (tolle Aussicht) bevor uns Wolfgang um 13.00 Uhr mit dem Leihwagen zum Flughafen bringt. Sein Rückflug geht ein Tag später, so daß er nochmal nach Auckland zurückkehrt. Auf dem Flughafen ist der Teufel los. An den Schaltern von Air New Zealand will wohl das ganze Land auf einmal einchecken. Wir fliegen jedoch zum Glück mit Air Tahiti Nui, geraten aber bei der Passkontrolle in eine schier endlose Schlange. Ich blicke immer nervöser auf meine Uhr und ärgere mich, dass wir bei unserem letzten Essen auf neuseländischem Boden in einer Flughafen Fast Food Bude ziemlich viel Zeit gelassen haben, obwohl ich die langen Schlangen bereits gesehen hatte. Abgehetzt kommen wir gerade noch rechtzeitig an unser Gate und gehen sofort in die voll besetzte Maschine durch. Wir sind so ziemlich die letzten Passagiere.

Beim Flug nach Papeete (Hauptstadt von Tahiti) überqueren wir die internationale Datumsgrenze, so dass sich der kuriose Effekt ergibt, dass wir am Freitagnachmittag losfliegen und am Donnerstagabend in Tahiti ankommen. Nüchtern ausgedrückt haben wir einen 4 Stunden langen Flug absolviert, der zusammen mit -23 h Zeitverschiebung, uns um 22.00 Uhr Ortszeit des Vortages an unser Ziel bringt. Dieser verrückte Tag ergibt auch einen extra langen Eintrag in meinem Reisetagebuch!

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