Great Ocean Road

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Der Kreis schließt sich (Adelaide - Melbourne - Sydney)

 

Grampians National Park

Unser erstes Ziel nach Adelaide ist der Coorong National Park, der sich südöstlich der Stadt über viele Kilometer am Meer entlang zieht. Wir wollen nicht nur auf dem Highway vorbeifahren, sondern auch mal direkt ans Meer vorstoßen. Ganz bis zur Küste können wir mit unserem Auto nicht fahren, denn dafür wäre ein allradbetriebenes Fahrzeug notwendig, um durch die Dünenlandschaft zu kommen. Den letzten Kilometer legen wir auf einer sandigen Piste zu Fuß zurück. Und dann stehen wir am Ufer des südlichen Ozeans. Mit Wucht branden hier die Wellen an den groben Strand, der hier aus unzähligen Muschelbruchstücken besteht. Ein Badestrand ist dies auf jeden Fall nicht, das ist uns klar. Außerdem wäre das Wasser um diese Jahreszeit sowieso viel zu kalt. Während einer Pause genießen wir den menschenleeren Strand und die frische Meeresluft.

An diesem Tag kommen wir noch bis in den netten Ort Kingston. Wieder quartieren wir uns auf dem Campingplatz direkt am Meer ein. Der Hummerfang spielt in Kingston eine große Rolle, was man an der 33 m großen Hummerfigur mit dem Namen „Larry the Lobster" am Ortseingang sehen kann. Die Australier haben anscheinend eine Vorliebe für solche überdimensionalen Figuren aus Kunststoff und Pappmaché. Uns sind bereits eine „Big Banana" in New South Wales und eine „Big Pineapple" (Ananas) in Queensland aufgefallen.

Von Kingston geht die Fahrt weiter nach Mt. Gambier, dem letzten großen Ort in Südaustralien, bevor wir die Grenze zu dem Bundesstaat Victoria überqueren. Die Hauptattraktion des Ortes ist ein kreisrunder See mit dem nicht besonders einfallsreichen Namen „Blue Lake". Jedes Jahr im Oktober/November wechselt der See seine Farbe von grau-blau zu einem intensiven dunkelblau. Als wir ankommen, zeigt sich der See in einem langweiligen matten blau. Bis November wollen wir hier nicht gerade warten und vertreten uns nur ein wenig die Füße, bevor wir zum Grampians National Park weiterfahren. Am Nachmittag ereichen wir einen schönen Campingplatz in dem 270 m hoch gelegenen Ort Halls Gap. Auf der Fahrt zu dem National Park sieht man wunderschön wie sich das bis zu 1176 m hohe Gebirge unvermittelt aus der Ebene erhebt. Die Höhe und die geringe Ausdehnung des Gebirges ähneln dem Harz, die tief zerfurchte Struktur der Felsen ist vergleichbar mit dem Elbsandsteingebirge, und die Form der Berge, die wie aufgebrochene Schollen schief in den Himmel ragen, erinnern mich an die kanadischen Rocky Mountains.

Auf dem Weg in die Grampians

Auf dem Campingplatz können wir nach langer Zeit endlich mal wieder ein Lagerfeuer machen. Am Abend gehen die Temperaturen hier unten im Süden ganz schön in den Keller, so dass wir das wärmende Feuer sehr zu schätzen wissen. Als wir in die Schlafsäcke kriechen, zeigt mein Thermometer noch gerade 6 °C. Trotzdem gefällt es uns hier sehr gut. In der hereinbrechenden Dämmerung gibt es ein lautstarkes Konzert von zahlreichen Kakadus, die sich in den Bäumen nahe unserem Zelt niederlassen. Als es fast dunkel ist, sehen wir wie zwei große Kängurus völlig ungeniert über den Zeltplatz hoppeln.

Direkt vom Zeltplatz begeben wir uns am nächsten Morgen zu dem „Wonderland loop" genannten Wanderweg. Erste Sehenswürdigkeit auf dem Rundkurs ist eine felsige Schlucht mit dem Namen Grand Canyon. Weiter geht es durch Wald und durch die Passage „Silent Street" hinauf zum Gipfel und dem Aussichtspunkt „The pinnacles". Gut 400 Höhenmeter haben wir überwunden und vom Aussichtspunkt schweift der Blick weit über Halls Gap hinweg bis zum Horizont. Am frühen Nachmittag sind wir wieder unten bei unserem Zeltplatz angelangt. Nach einer Pause mache ich mich noch alleine zu einem weiteren Aussichtspunkt auf, während Holger auf dem Zeltplatz bleibt.

Mit dem Auto fahre ich bis zu dem Parkplatz am Red Lookout und gehe auf ebenem Weg die letzten 2 km bis zu dem Balcony Lookout. Wie der Name vermuten lässt, stehen hier mehrere Felsvorsprünge aus einer steil abfallenden Wand balkonartig hervor. Unterhalb vom Lookout breitet sich das dicht bewaldete Victoria Valley aus. Es ist schon später Nachmittag, so dass fast alle Besucher schon wieder weg sind. Nach ein paar Minuten bin ich an diesem phantastischen Aussichtspunkt ganz alleine. Ich ignoriere das Verbotsschild und gehe auf einen der „Balkone" hinaus und setze mich hin. Es herrscht eine unglaublich friedvolle Atmosphäre, die Temperaturen sind schon etwas kühl aber noch angenehm, es ist windstill, und die Geräusche des Waldes dringen schwach zu mir hinauf. Ich spüre, dass dies einer der raren, perfekten Augenblicke ist, an die ich mich auch noch Jahre später ganz klar werde erinnern können. Ich verliere das Zeitgefühl und sauge mit allen Sinnen diesen schönen Moment in mich auf. Die tief stehende Sonne kommt hinter einer Wolkenbank hervor und modelliert das endlose Blätterdach des Waldes und den Gebirgszug zu meiner linken Seite in weichem Abendlicht. Schließlich taucht an dem Aussichtspunkt ein kanadisches Pärchen auf Honeymoon Reise auf und freut sich ebenfalls über die herrliche Aussicht. Auch sie haben es ganz und gar nicht eilig und verweilen an dem Lookout. Nach einer Weile machen wir gegenseitig Fotos mit uns auf den „Balconies", und dann begebe ich mich auf den Rückweg. Holger hat mittlerweile im Wald reichlich Holz gesammelt und wieder gibt es ein wärmendes Lagerfeuer. Bis spät in dem Abend sitzen wir vor dem Lagerfeuer und schauen in die Flammen.

 

Great Ocean Road

Nach diesem Abstecher ins Hinterland geht die Fahrt zurück an die Küste. Bei Port Fairy treffen wir wieder aufs Meer und von dort wollen wir der berühmten Great Ocean Road folgen. In Warrnambool machen wir Mittagspause und fahren dann zu einem Aussichtspunkt am Ortsausgang, wo man zu dieser Jahreszeit direkt vom Strand aus Wale beobachten kann. Und tatsächlich schwimmen nicht weit vom Ufer mehrere Southern Right Whales gemächlich an uns vorbei. Jetzt hätte ich mir allerdings ein gutes Fernglas gewünscht, das leider in unserer Ausrüstung fehlt.

Richtig spektakulär wird die Great Ocean Road dann ab dem Ort Peterborough und insbesondere rund um Port Campbell. Dort bleiben wir auch über Nacht auf dem Caravan Park. Nachdem wir unsere Zelte aufgeschlagen haben, fahren wir zu dem Aussichtspunkt an den 12 Aposteln weiter. Neben dem Opernhaus in Sydney und dem Uluru ist dies wohl die am meisten fotografierte Sehenswürdigkeit Australiens. Das Wetter an dieser rauen Küste ist sehr unbeständig und dicke Regenwolken haben schon vielen die Aussicht auf die Felsformation der 12 Apostel verdorben. Übrigens kann man nie alle 12 Apostel auf einmal sehen, es sei denn man benutzt ein Flugzeug. Wir erwischen einen windigen, aber doch einigermaßen sonnigen Nachmittag und erfreuen uns zusammen mit einer Busladung knipswütiger japanischer Touristen an der spektakulären Aussicht. Kurz vor Sonnenuntergang wird die ganze Szenerie in ein goldenes Licht getaucht.

Zurück auf dem Zeltplatz gibt es zum x-ten Mal die typische Campermahlzeit: Nudeln mit Speck und Tomatensoße. Die Temperaturen plumpsen abends wieder mächtig in den Keller. Ziemlich verfroren kriechen wir gegen 22.00 Uhr in unsere Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen überwinde ich den inneren Schweinehund und pelle mich um 6.15 Uhr trotz Eiseskälte aus dem Schlafsack. Die 15 km zu dem Lookout an den 12 Aposteln habe ich mit dem Auto schnell zurückgelegt. Ich treffe dort 3 andere Fotoenthusiasten und gemeinsam schauen wir fragend in die geschlossene Wolkendecke hinauf. Die anderen Fotografen geben bald auf, während ich bleibe, aber wegen der Kälte meistens hin und herlaufe und dabei eine halbe Packung der vorzüglichen ANZAC Armeekekse in mich hineinstopfe. Nach einer halben Stunde reißt die dicke Wolkendecke für ein paar Minuten auf, so dass ich fotographisch auf meine Kosten komme.

Die 12 Apostel am Morgen

 

Wie vorgestern in den Grampians genieße ich alleine und in Ruhe die morgendliche Stimmung an den 12 Aposteln. Noch bevor der normale Betrieb losgeht, verlasse ich sehr zufrieden den Aussichtspunkt und fahre zum Zeltplatz zurück. Dort spulen wir unser morgendliches Programm ab und brechen dann auf. Viele Stellen entlang der Great Ocean Road laden zum Anhalten ein, es gibt viel zu sehen und zu bestaunen. Dieser Küstenabschnitt trägt auch den Beinamen „Shipwreck coast", denn im 19. Jahrhundert sind an dieser Felsenküste viele Schiffe untergegangen. Auf mehreren Schautafeln wird beispielsweise das Schicksal des Segelschiffes Loch Ard geschildert, welches in stürmischer See hier 1850 an den Felsen zerschellte. Nur 2 von 50 Personen überlebten das Unglück, obwohl es bis zu einer kleinen Bucht mit dem rettenden Sandstrand gar nicht weit war.

Irgendwann haben wir uns an den vielen Lookouts satt gesehen und fahren weiter bis zum Cape Otway National Park. Hier machen wir eine kleine Wanderung in dem gemäßigt temperierten Regenwald mit vielen Farnen und bemoosten Bäumen. Dann folgt noch ein Abstecher zu dem 1848 errichteten Leuchtturm, der direkt am Kap ca. 100 Meter über dem Meer auf einem hohen Felsen thront. Von dort oben sehe ich wie der Himmel immer schwärzer wird. Bald zieht ein kurzer aber sehr heftiger Regenschauer vorbei. Ich flüchte mich ins Innere des Leuchtturms. Als der Schauer nach wenigen Minuten vorüber ist, werde ich mit dem Anblick eines perfekten Regenbogens belohnt.

In dem Ort Apollo Bay, direkt hinter dem Cape Otway National Park, quartieren wir uns wieder auf dem Campingplatz ein. Wir finden eine lauschige Ecke am Ende des Platzes direkt neben einem Bach. Am Abend wird das Wetter immer stürmischer, und auch der Regen setzt wieder ein, so dass ich mich entscheide, in einem Restaurant im Ort essen zu gehen, während Holger auf dem Campingplatz ein Kochabenteuer im strömenden Regen erlebt. In der Nacht regnet es weiter und dazu bläst ein kräftiger Wind. Als ich am nächsten Morgen aufstehe, entdecke ich, dass sich in der Nacht ein abgebrochener Zweig durch das Außenzelt gebohrt hat. Außerdem haben sich innen im Zelt Pfützen gebildet. Allmählich habe ich vom Camping bei diesem „Aprilwetter" die Nase voll. Nach und nach wird unsere ganze Ausrüstung nass und dreckig. Auch macht es keinen Spaß, bei dem stürmischen Wetter draußen zu essen, wenn der Regen waagerecht durch unsere Kochecke peitscht, einem die Wurst vom Brot pustet, und das Essen in der Pfanne schneller abkühlt als der Gasbrenner es erhitzen kann. Es ist schon fast ein Wunder, dass wir uns noch keine Erkältung eingefangen haben. Bei diesen widrigen Bedingungen fällt die Entscheidung leicht, in Melbourne eine Herberge mit festem Dach aufzusuchen.

Melbourne

Die letzte Stück der Great Ocean Road von Apollo Bay bis Geelong ist bei weitem nicht mehr so spektakulär wie der Abschnitt um Port Campbell. Vielleicht sind wir auch nur von der Shipwreck coast verwöhnt, denn die unmittelbar in die felsige Küste hinein gebaute Straße ist auf jeden Fall schön zu fahren und alles andere als langweilig. Leider gibt es nur wenige Stellen, an denen wir mal anhalten können. In Geelong machen wir schließlich Mittagspause und weiter geht es in die Millionenstadt Melbourne. Bei der Quartiersuche landen wir schließlich in der kleinen Jugendherberge in Chapmans Gardens etwas außerhalb (empfehlenswert, kostenlose Parkplätze).

 

In MelbourneIn Melbourne bleiben wir insgesamt 4 Tage, obwohl es eigentlich gar nicht soviel zu sehen gibt. Im Gegensatz zu einem normalen Urlaub, hat sich mein Zeitgefühl auf dieser Reise schon merklich verändert. Ich sehe die Dinge viel entspannter, ich bin mehr daran interessiert, die Atmosphäre und das Lebensgefühl der Bewohner an einem Ort zu erfahren als unbedingt alle Highlights „abzuhaken". Auch wenn mal ein Tag lang so gut wie nichts passiert, ist das völlig in Ordnung. Mehrfach mache ich mich zu Fuß allein auf den Weg in die Innenstadt und laufe stundenlang kreuz und quer durch Melbourne. Ich bin sowieso der Meinung, dass man Städte am besten kennen lernen kann, wenn man viel zu Fuß herumläuft. Natürlich gibt es auch wieder etwas zu erledigen. So geben wir beide unsere bis dahin verschossenen Filme zum Entwickeln ab, was bei meinen Diafilmen ein kleines Vermögen kostet.

An einem völlig verregneten Samstag schaue ich mir in Ruhe das sehr informative und gut gemachte Immigration Museum (Einwanderungsmuseum) und das Gold Treasury Museum an. Im Gold Treasury Museum werden die wilden Tage um 1850 wieder lebendig als nördlich von Melbourne Gold gefunden wurde und die Stadt innerhalb von 20 Jahren explosionsartig wuchs. Die Melbourner haben es jedoch im Gegensatz zu vielen anderen Goldgräber-Boomstädten verstanden, das plötzlich vorhandene Geld in einen dauerhaften Wohlstand zu verwandeln, so dass die Stadt auch nach dem Ende des Goldrausches weiter florierte und gedieh. Heute ist Melbourne eine moderne, multikulturell geprägte Großstadt mit 3,4 Millionen Einwohnern, die jedoch keine so rechte Ausstrahlung auf mich ausübte. Mein Favorit ist nach wie vor Sydney. Auf der anderen Seite ist Melbourne eine angenehme Stadt mit einem breiten kulturellen Programm, und mit einem umfangreichen Restaurant- und Kneipenangebot für jeden Geschmack. Eine Stadt, in der man bestimmt gut leben könnte.

 

Das nächste Ziel nach Melbourne ist der Wilsons Promontory National Park, der von den Aussies nur kurz „The prom" genannt wird. Der Park umfasst die südlichste Spitze des australischen Festlandes und ist vor allem bei Australiern sehr beliebt. Wir haben gerade Schulferien, so dass auf dem Campingplatz in Tidal River eine Menge los ist. Wir sehen in diesem schönen Nationalpark zum ersten Mal auf unserer Rundfahrt Emus und die knuffigen Wombats in freier Natur. Letztere sehen aus wie überdimensionale Meerschweinchen und kommen in der Dämmerung auf den Zeltplatz, wo sie nach schlecht bewachten Lebensmitteln Ausschau halten. Beim Einchecken sind wir ausdrücklich vor den „gefährlichen" Wombats gewarnt worden.

Im Nationalpark ragen dicht bewaldete Granitberge bis zu 750 m aus dem Meer auf. Es gibt viele Wanderwege und nur zu Fuß zu erreichende versteckte Buchten. Wir wollen eine ca. 20 km lange Tageswanderung quer über die Halbinsel zu der Bucht Sealers Cove machen. Der Wanderweg führt durch gemäßigt temperierten Regenwald mit vielen Farnbäumen. Ich denke, dass dies bestimmt eine gute Einstimmung auf mein nächstes Etappenziel Neuseeland ist. Die letzten 3 Kilometer bis zur Küste führt der Weg durch einen flachen, sumpfigen Abschnitt. Hier haben die Australier herzallerliebst einen Holzbohlenweg durch den Sumpf verlegt, damit man ja nicht im Matsch versinkt (oder die Vegetation beschädigt). Schließlich kommen wir an die Bucht Sealers Cove mit einem Traumstrand, der zum Verweilen einlädt. Danach geht es (leider) auf demselben Weg wieder zurück. Das Wetter spielt zum Glück mit, wir erwischen einen sonnigen, moderat warmen Tag.

Canberra

Auf dem Weg nach Canberra müssen wir wieder viele Kilometer fressen, die wir nicht in einem Tag bewältigen. Nach einer Zwischenübernachtung erreichen wir die Hauptstadt Australiens am späten Vormittag. Wir schauen uns eigentlich nur das Regierungsviertel in der Stadt an. Das erst 1988 fertig gestellte neue Parlamentsgebäude ist in den Capitol Hill hineingebaut worden. Das bis zum Straßenniveau heruntergezogene Dach des Gebäudes ist grasbewachsen und von zwei Seiten für die Besucher zugänglich. Die Bürger können hier ihren gewählten Parlamentariern wortwörtlich aufs Dach steigen. Die kostenlose und informative Führung durch das Parlamentsgebäude gefällt mir sehr gut. Man sieht, dass beim Bau nicht gekleckert, sondern geklotzt wurde. Dies ist wahrlich nicht das Parlament eines armen Landes. Der totale Kontrast dazu ist die kuriose Baracken-Botschaft der Aborigines vor dem wenige hundert Meter entfernten alten Parlamentsgebäude. Die Aborigines-Botschaft wurde von Ihnen errichtet, um auf diesem Weg für ihre Rechte in ihrem Heimatland zu kämpfen. Die behelfsmäßig zusammengeschusterte Baracke wirkt ziemlich verloren in dem weitläufigen Regierungsviertel.

Ansonsten leidet Canberra noch mehr als andere australische Städte darunter, dass es keine Geschichte hat. Die Stadt wurde am Reisbrett entworfen und macht einen recht sterilen Eindruck auf uns. Die wichtigen Repräsentationsbauten sind alle entlang von verschiedenen Achsen angelegt, jedoch soweit voneinander entfernt, dass einem als Fußgänger bald der Mut verlässt. Das Autofahren hingegen wird für Ortsfremde zum Abenteuer durch ein unorthodoxes Straßenlayout, gigantische und unübersichtliche Kreisverkehre und schlaufenförmig angelegte Straßen ohne Abbiegemöglichkeit. Beim Navigieren mit Hilfe des Stadtplanes ist höchste Konzentration vonnöten.

Blue Mountains

This sign is to prevent foreign tourists from getting lost.Als letztes großes Ziel auf unserer Australienrundfahrt stehen nur noch die Blue Mountains auf dem Programm bevor sich der Kreis schließen wird. Die Blue Mountains sind Teil der Great Dividing Range, ca. 70 km von Sydney entfernt und touristisch sehr gut erschlossen. Viele Besucher kommen als Tagesausflügler von Sydney, genauso wie die Bewohner der Großstadt diesen National Park als Naherholungsziel einfach erreichen können. Wir quartieren uns in der ca. 9000 Einwohner zählenden Stadt Katoomba ein, die ein touristisches Zentrum in den Blue Mountains ist. Am Nachmittag schauen wir uns die Hauptattraktion, die Felsformation „Three Sisters" an und versorgen uns in der Touristeninformation mit einer Broschüre und einer Wanderkarte. Auf dem Campingplatz bekommen wir so ziemlich den letzten freien Platz in der Nähe eines Krickettspielfeldes. Vom Zelt aus können wir den Australiern noch bei einem Trainingsspiel zuschauen. Doch verstehen tue ich das Spiel nicht so richtig. Wir haben hier auf fast 1000 m Höhe unser höchstgelegenes Nachtquartier in Australien aufgeschlagen. Nach einem sonnigen Tag kühlt es dann nachts unter sternenklarem Himmel bis fast auf den Gefrierpunkt ab. Den „Komfortbereich" meines Schlafsackes habe ich damit bereits verlassen, trotz der Kälte kann ich dennoch ganz gut schlafen.

Am nächsten Morgen werden wir mit Sonnenschein und weiterhin klarem Wetter entschädigt. Im Laufe des Tags steigen die Temperaturen bis auf 27 °C (Anfang Oktober). Wir unternehmen eine Wanderung unterhalb des Steilabfalls, der direkt am Ortsende von Katoomba beginnt. Das heißt, wir können wieder direkt vom Campingplatz aus starten. Mit der Scenic Railway, einer Art Achterbahn mit bis zu 52 ° Gefälle geht es von dem Hochplateau in das tief unter mir liegende Jamison Valley hinab. Beim Warten auf die Abfahrt der Scenic Railway fühle ich mich in die U-Bahn von Tokio versetzt. Um mich herum sind fast nur japanische Touristen (siehe auch Schild links). Unten führt der Weg meistens durch den schattenspendenden Wald, vorbei am Fuße der Three Sisters, und weiter entlang der Steilabfallkante bis wir in der Nähe von einigen Wasserfällen über eine Konstruktion von vielen hintereinander folgenden Stein-, Holz- und Metalltreppen wieder nach oben auf das Hochplateau gelangen. Nach den insgesamt 1300 Treppenstufen weiß ich jedenfalls was ich getan habe. Auf dem Rückweg über den Cliff Walk bieten sich von den zahlreichen Aussichtspunkten immer wieder tolle Ausblicke in das Tal.

 

Sydney

Nach einer weiteren klaren Nacht fahren wir über die landschaftlich sehr schöne Bells Line of Road zurück in den Großraum Sydney. Unsere Zeit in Australien neigt sich nun dramatisch dem Ende entgegen. Die letzten Tage verbringen wir auf einem Campingplatz dicht am Meer in Narrabeen ca. 10 km nördlich von Sydney. Vor dem Weiterflug nach Neuseeland muss noch einiges erledigt werden und auch den Wagen, der uns auf der 15.000 km langen Route so gute Dienste geleistet hat, müssen wir leider zurückgeben. Die schöne Zeit in Australien ist nun um und mit Gedanken bin ich schon halb in Neuseeland. In Neuseeland werden wir uns für 7 Wochen trennen und erst vor dem Weiterflug nach Tahiti in Auckland wiedersehen. Ich werde die Südinsel zuerst alleine bereisen und mich dann mit einem Freund aus Deutschland auf der Nordinsel treffen. Ich bin schon darauf gespannt, wie es sein wird, allein zu reisen.

 

Surfer in Narrabeen

Am Abend setze ich mich mit einer Flasche Bier an den Strand und schaue über eine Stunde den zahlreichen Surfern zu. Dieser Sport muss wohl süchtig machen, denn nur so kann ich mir die Ausdauer erklären, mit der die Surfer auf der Suche nach der optimalen Welle Stunden im Wasser verbringen.

Nachdem wir das Auto abgegeben haben, quartieren wir uns in Sydney wieder in einem Backpacker Hostel ein. Als allerletzte Sehenswürdigkeit besuche ich noch das Australian Museum. Witzigerweise finde ich in diesem Naturkundemuseum die beste Ausstellung zu dem Thema Aborigines. Zusammenhänge werden gut dargestellt und auch kritische Themen wie Drogenabhängigkeit oder die langjährige Unterdrückung durch die weißen Einwanderer werden behandelt. Trotzdem bleibt der Begriff der „Spiritualität", der für das Verständnis der Aborigines Kultur so wichtig ist, für mich nicht so richtig zugänglich.

Und dann ist auch schon der letzte Morgen angebrochen. Bereits früh um 7.30 Uhr fahren wir mit dem Flughafenbus auf einem verschlungenen und zeitraubenden Weg zum Flughafen. Wir checken ein und sind erstaunt, dass Qantas auf der 2200 km langen Strecke nach Auckland eine Boeing 747-200 einsetzt.

 

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