Undara

Mt. Isa

Katherine Gorge

Kakadu

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Ins Outback (Cairns bis Darwin)

 

Ungefähr einen Monat sind wir nun immer der Küste Richtung Norden gefolgt. Dabei haben wir die 2900 km lange Strecke von Sydney bis nach Cairns zurückgelegt. Allmählich drängt es mich, in das Innere des Landes aufzubrechen. Noch mehr schöne Sandstrände und (sub)tropische Regenwälder reizen mich nicht mehr so richtig. Diese haben wir nun reichlich gesehen. Der Tauchkurs in Cairns mit dem ganzen organisatorischen Drum und Dran hat doch eine Menge Zeit gekostet. Am 27. August brechen wir schließlich zu unserer ersten Tagesetappe ins „Outback" auf. Das Tagesziel ist der 360 km entfernt liegende Undara National Park. Eine erste Zwischenstation legen wir in dem Touristenstädtchen Kuranda ein. Dieser Ort mit dem herausgeputzten Bahnhof von 1891 ist die Endstation einer Eisenbahnstrecke von Cairns und liegt schon deutlich höher in den Bergen hinter Cairns. Mit knapp 30 A$ für ein One-Way Ticket werden die Touristen ordentlich zu Kasse gebeten, wenn sie mit dem historischen Zug von Cairns hierhin fahren wollen. Aber ein paar Fotos von dem Zug und dem Bahnhof gibt es auch umsonst. Da heute kein Markttag ist, ist es relativ ruhig. Wir kaufen ein Eis und schlendern entspannt die Einkaufsmeile entlang bevor wir weiterfahren.

Die Strecke führt nun durch das sogenannte Atherton Tableland, welches sich auf einer Höhe von 500 bis 1000 m ausbreitet. Die Landschaft ist ziemlich hügelig, mit einzelnen Waldstücken dazwischen und ansonsten viel Ackerbau und Milchwirtschaft. Auf dem Weg nach Undara besichtigen wir einen gigantischen Würgefeigebaum (curtain fig tree), der je nach verwendetem Reiseführer zwischen 500 und 1000 Jahre alt sein soll. Man steht regelrecht vor einem Vorhang aus Wurzelwerk, das sich Format füllend vor einem ausbreitet. Die Würgefeige hatte einen anderen Baum komplett umhüllt und als dieser schließlich abstarb, fiel sein Stamm auf einen benachbart stehenden Baum. Die Würgefeige lebte weiter und umhüllte auch den zweiten Baum. Dadurch entstand im Laufe vieler Jahre diese Form, die von der Seite betrachtet wie ein Vorhang aus Holz aussieht.

Weitere Stopps legen wir bei drei kleineren Wasserfällen ein, die ganz nett anzuschauen sind, aber einen großen Umweg nicht wert wären. Nach Verlassen des „Waterfall circuits" wird die Strasse schnell einsamer und die Landschaft trockener. Wir biegen auf die Gulf Developmental Road Richtung Mt. Surprise ab. Hinter dem Ort Ravenshoe wird es sehr bald einsam, und die Straße wird einspurig. Kurz vorher sind wir noch durch die saftigen Weiden des Atherton Tableland gefahren und haben uns am Anblick der stattlichen „Schlappohrkühe" erfreut, doch nun wird die Gegend mit jedem Kilometer trockener und die für Australien so typische rote Erdfärbung wird immer dominanter. Links und rechts der Straße wechselt offene Graslandschaft mit einer savannenartigen Baumlandschaft ab. Das Land lässt sich immerhin noch als Weideland nutzen. Unsere Begleiter bis zum Undara National Park werden jetzt unzählige Termitenhügel und viele überfahrene Kängurus am Straßenrand. Bei beginnender Dämmerung und kurz vor Erreichen unseres Tageszieles, der Undara Lava Lodge, hoppelt dann auch ein Känguru ziemlich knapp vor unserem Auto über die Straße. Sabine bremst rechtzeitig, so dass nichts passiert, doch damit haben wir bestätigt bekommen, dass das Fahren in der Dämmerung und bei Dunkelheit gefährlich ist. Im Gegensatz zu Deutschland sind die Warnschilder bzgl. Wildwechsel hier ernst zu nehmen.

Undara National Park

 

Am nächsten Tag steht der Ausflug zu den unterirdischen Lavaröhren des Undara National Parks auf dem Programm. Wegen der saftigen Preise machen wir nur eine zweistündige Einführungstour, die mit Bustransport immerhin schon 33 A$ kostet. Auf eigene Faust darf man leider nicht in die Röhren hinabsteigen, obwohl alles bestens ausgebaut und abgesichert ist. Ich bin von den riesigen Ausmaßen der Lavaröhre überrascht. Es ist schwer vorstellbar, dass hier vor 190.000 Jahren mal monatelang flüssige Lava vorbei geflossen sein soll. Der erkaltende Lavastrom hat dann dieses Tunnelsystem geschaffen. Die Tunnel sind so gewaltig, dass man problemlos eine Straße darin verlegen könnte. Mit einer Gesamtlänge von 160 km ist das Tunnelsystem von Undara das Überbleibsel des längsten bekannten Lavastroms auf der Erde. An ca. 300 Stellen ist die Tunneldecke mittlerweile eingebrochen und an 69 Stellen hat man zu den verschiedenen Abschnitten des Tunnels Zugang.

Am Nachmittag sehen Holger und ich dann auf einer Wanderung mehr lebende Kängurus als in den letzten vier Wochen zusammen. Ich zähle 16 Tiere, die bisweilen nur wenige Meter neben dem Wanderweg grasen und keine Anstalten machen, vor uns die Flucht zu ergreifen. Sie wissen, dass sie sowieso viel schneller sind. Der fast ebene Weg führt durch Buschland mit mittelhohem, lockeren Baumbestand zu dem kleinen Aussichtshügel Circle View Hill, der seinen Namen zu Recht trägt. Von oben schweift unser Blick kilometerweit über die offene Landschaft. In weiter Ferne sind einige alte Vulkankegel zu erkennen und ansonsten praktisch keine Zeichen menschlicher Zivilisation. Die Vulkankegel bezeugen, dass es sich bei dieser Ecke Queenslands mal um eine vulkanisch sehr aktive Landschaft gehandelt haben muss.

Am nächsten Morgen geht die Fahrt weiter durch die kleineren Orte Mt. Surprise, Georgetown und Croydon, die während des Goldrausches schon mal bessere Zeiten erlebt haben. Doch das ist lange her. Sie sehen jetzt alle ziemlich sonnenverbrannt und trostlos aus. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass diese Ortschaften jeweils mehr 100 Kilometer voneinander entfernt sind und dazwischen gibt es gar nichts. Man ist also gut beraten, vor der unbedarften Durchfahrt durch einen dieser Orte einen Blick auf seine Tankanzeige zu werfen. Als wir in Croydon ankommen, ist sogar ein Business Centre ausgeschildert. Als wir dieses erreichen und verheißungsvoll unser Auto parken (Mittagspause) finden wir auf der einen Straßenseite einen Metzger und auf der anderen Seite ein altes Hotel mit integriertem Pub und ein Stückchen die Straße herunter gibt es noch ein Hamburger-Schnellrestaurant. Mehr hat das „Business Centre" nicht zu bieten. Für unsere Mittagspause reicht es aus.

Hauptstraße von Normanton

Auf unserer Karte ist unser nächstes Ziel, der Ort Normanton, richtig groß eingezeichnet. Mit 1500 Einwohnern ist er im Umkreis von vielen hundert Kilometern die größte Siedlung. Standesgemäß leistet er sich dann auch eine vierspurige Hauptstraße, die wir mehrfach auf der Suche nach einem Supermarkt vergeblich hin- und herfahren und dabei unsere Erwartungshaltung herunterschrauben. Schließlich füllen wir unsere Vorräte bei einem größeren „Tante Emma"-Laden auf. Im Prinzip sind wir froh, überhaupt ein Lebensmittelgeschäft gefunden zu haben. Die letzten 70 Kilometer geht es nun bis zum Golf von Carpenteria weiter, wo wir auf dem Sunset Caravan Park übernachten. Der Name ist passend gewählt, denn der Sonnenuntergang am Meer ist einer der eindrucksvollsten, den ich in Australien gesehen habe. Selbst als die Sonnenscheibe im Meer zu versinken beginnt, ist sie noch so hell, dass man kaum hineinschauen kann. Dies muss wohl an der außergewöhnlich klaren und trockenen Luft liegen. Bei einer frisch eingekauften und daher noch kalten Flasche Bier genießen wir das Schauspiel vom Strand aus. Zum Baden lädt diese Gegend allerdings nicht ein, da man sich das Wasser mit den hier lebenden Salzwasserkrokodilen teilen müsste.

Mt. Isa

Wer mit dem Auto in Mt. Isa ankommt, hat in der Regel Großes vor und bereits viele Kilometer hinter sich – egal aus welcher Richtung er kommt. Die Minenstadt liegt auf der wichtigen und einzigen geteerten West-Ost-Verbindungsstrecke zwischen dem Northern Territory und der australische Ostküste. Bei Townsville zweigt der Barkly-Highway (Hwy 66) von der Ostküste ab und führt quer durch Queensland ins 870 km entfernt liegende Mt. Isa. Die 22.000 Einwohner zählende Stadt ist gleichzeitig auch der Endpunkt der australischen Eisenbahn. Weiter nach Westen führt der Barkly Highway bis zum Schnittpunkt mit dem berühmten Stuart Highway, der von Darwin kommend bis nach Adelaide in Südaustralien führt. Der erste nennenswerte Ort in dieser Richtung, Tennant Creek, ist 663 km von Mt. Isa entfernt. Die Stadt verdankt ihre Daseinsberechtigung einer unheimlich ergiebigen Kupfer-, Silber-, Blei- und Zinkmine. Die Australier haben passend dazu auch ein großes Hüttenwerk in die Stadt gesetzt, dessen 270 m hoher Schornstein von weitem sichtbar ist.

Als wir Mt. Isa aus Richtung Norden via Cloncurry erreichen, haben wir eine Tagesetappe von 562 km hinter uns. Die meiste Zeit sind wir dabei auf der einspurigen Burke Developmental Road gefahren, die Normanton mit Cloncurry verbindet. Wenn uns auf dieser schmalen Straße einer der berühmt berüchtigten Road Trains entgegenkommt, dann sind wir gut beraten, ihm die Straße komplett zu überlassen, sobald wir das gelbe Warnschild "ROAD TRAIN" auf dem Kühlergrill lesen können. Wir weichen dabei jedesmal in langsamer Fahrt auf den ungeteerten Seitenstreifen aus. Von diesen Giganten der Landstraße werden immer eine Menge Staub und Steine aufgewirbelt, die eine Gefahr für unsere Windschutzscheibe darstellen. Wir haben jedoch Glück und bekommen keinen Treffer ab. Ab Cloncurry wird die Strecke wieder zweispurig, so dass von nun an die Begegnungen mit den Road Trains entschärft sind. Wir lesen, dass Cloncurry den australischen Hitzerekord mit 51 °C hält. Gut, dass wir gerade Winter haben! Weiterhin ist der Ort die Keimzelle des 1928 gegründeten Royal Flying Doctor Service (nettes Museum) sowie der Fluggesellschaft QANTAS (= Queensland and Northern Territory Aerial Service). Am Abend erreichen wir schließlich Mt. Isa und bauen unsere Zelte auf einem Campingplatz am Ortseingang auf. In Mt. Isa treffen sich besonders viele Camper, die wie wir auf der Durchreise sind. Als Zeltnachbarn haben wir diesmal 3 Japaner. Japanische Touristen auf einem Campingplatz sind an sich schon eine Kuriosität ersten Ranges, doch diese haben auch ein paar Überraschungen auf Lager. Ihr uralter Nissanbus steht in herbem Kontrast zu ihrer übrigen nagelneuen und sehr teuer aussehenden Ausrüstung. Fasziniert beobachte ich beispielsweise ihren Hightech-Campingtisch, der sich vor meinem Augen aus einem kleinen Paket zu einem ansehnlichen und stabilen Tisch entfaltet. Danach wird das Zelt verkabelt und mit einer Mehrfachsteckdose ausgestattet. Daran werden dann 3 Handys aufgeladen und ein Laptop wird ausgepackt. Eine gewisse Genugtuung bereitet mir dann die Tatsache, dass ihr alter Nissanbus am nächsten Morgen nicht anspringen will. Mit ein paar anderen freiwilligen Helfern schiebe ich die Kiste quer über den halben Campingplatz bis der Motor endlich anspringt und wir prompt von einer schwarzen Abgaswolke eingenebelt werden. Mit einem freundlichen Lächeln bedanken sich die drei Multimedia-Japaner und tuckern mit dem altersschwachen Bus davon. Vielleicht hätten sie etwas mehr Geld für ihren fahrbaren Untersatz und nicht soviel für die übrige Hightechausrüstung ausgeben sollen.

Als wir Mt. Isa verlassen wollen, ist bereits am Ortsausgang ist Schluss. Wir stehen in einem Verkehrsstau im Outback!. Die Ursache für den Stau ist schnell ausgemacht. Ein Road Train war ausgerechnet auf einer Brücke ins Schleudern gekommen und umgestürzt. Wir sehen, dass ein Hänger aufgerissen ist und die Ladung quer über die Fahrbahn verteilt hat. Ein weiterer Anhänger ist gar von der Brücke gestürzt und liegt praktisch in dem ausgetrockneten Flussbett darunter. Es riecht nach ausgelaufenem Kraftstoff. Fast 2 Stunden müssen wir am Straßenrand warten bis die Polizei schließlich die alte Strecke neben dem Highway für wechselseitigen einspurigen Verkehr freigibt. Langsam können wir die Unfallstelle passieren und verspätet unsere Fahrt nach Tennant Creek aufnehmen. Die anfangs so schöne zweispurige Strecke haben wir bald hinter uns, so dass wir wieder lange Passagen den einspurigen Pisten folgen müssen. Da man bei jedem Gegenverkehr mit zwei Rädern auf den rauen Seitenstreifen ausweichen muss, empfinde ich die Fahrt als recht anstrengend. Stunde um Stunde verstreichen ohne dass sich die Gegend sichtbar ändert. Es geht dabei durch besonders trostlose offene Grassteppe. Plötzlich sehe ich mitten im nirgendwo eine Gruppe Aborigines am Straßenrand sitzen, und dann sind sie auch schon im Rückspiegel verschwunden. Ich kann nicht erkennen, was sie in dieser Einöde machen. Ich weiß nicht, wie sie hierher gekommen sind und wohin sie wollen. Für ein ganz flüchtigen Augenblick begegne ich einer anderen, mir unzugänglichen Realität.

 

Barkly Highway

Unterwegs auf dem Barkly Highway

Katherine Gorge

Als wir die Grenze zum Northern Territory überschreiten wird die Straße besser, so dass wir Gas geben können, um etwas von unserem Rückstand durch die Zwangspause am Morgen aufholen zu können. Noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir unser Tagesziel Tennant Creek. Nach der Übernachtung geht es dann auf dem Stuart Highway Richtung Norden. Nach einem weiteren Fahrtag haben wir die 722 km bis zum Katherine Gorge National Park zurückgelegt. Dort erwartet uns nicht nur eine malerische Schlucht, sondern auch eine erbarmungslose Hitze. Der folgende Tag ist einer heißesten, unserer ganzen Australienrundfahrt (ca. 40 °C). Am Vormittag unternehme ich erst eine kleine Wanderung zum oberen Schluchtrand (engl. Escarpment), um einen Einblick aus dieser Perspektive zu bekommen. Der Katherine River hat sich hier in einen felsigen Landschaftsabschnitt geschnitten. Bis zu 100 Meter ragen die Schluchtwände aus stark verwittertem roten Gestein auf. Ich wandere durch praktisch schattenloses Gelände und werde von der Sonne bei Temperaturen um die 40 °C ordentlich durchgebraten. Dummerweise hatte kurz vorher ein Buschbrand, die karge schattenspendende Vegetation niedergemacht. Das lässt die an sich schon ungastliche Landschaft noch lebensfeindlicher wirken.  Ich bin froh, dass ich wenigstens meinen breitkrempigen Hut dabei habe. Nichtsdestotrotz finde ich die Landschaft sehr eindrucksvoll. Als ich am Mittag von der Wanderung zum Campingplatz zurückkehre, fühle ich mich so überhitzt, dass ich erst einmal meinen Kopf unter den Kaltwasserhahn halte.

Für den Nachmittag habe ich ein einfaches Plastikkajak beim Visitor Centre reserviert. Unten auf dem Fluss sind die Temperaturen deutlich erträglicher. Kamera, Geld und andere Dinge, die nicht nass werden sollen, verstaue ich in einem kleinen Plastikfässchen mit verschraubbarem Deckel und dann geht es los. Die erste halbe Stunde paddele ich vorzugsweise im Zickzack über den Fluss bis ich die Geradeaussteuerung im Griff habe.

Die Schlucht ist in mehrere Abschnitte unterteilt, die von steinigen Abschnitten voneinander getrennt sind. Aufgrund der Trockenzeit hat der Katherine River Niedrigwasser. Beim Kajakverleih hatte man mir gesagt, dass ich mein Boot an diesen Stellen per „Portage" hinüberbringen müsse, da der Wasserstand selbst für ein kleines Kajak zu niedrig sei. Das Ganze stellt sich als ziemlich mühsame Angelegenheit heraus. Als ich an der ersten Stromschnelle ankomme, sehe ich gerade wie vor mir zwei andere Touristen kentern. Daraufhin ziehe ich mir direkt die Badehose an und versuche dann mein Glück.

Da ich alleine im Boot sitze, habe ich weniger Tiefgang als die anderen und kann mich durch zwei flache Stellen hinüber bugsieren, ohne aussteigen zu müssen. An der dritten Stromschnelle muss auch ich aus dem Boot. Teilweise bis zu der Hüfte stehe ich im Wasser und zerre das Boot über die glitschigen Steine und den unwegsamen Untergrund. Danach wird die Schlucht erheblich enger und die Paddeltour landschaftlich interessanter. Mehrfach hole ich behutsam meine Kamera aus der Plastiktrommel und mache vom Boot aus Fotos. Auf der Rückfahrt merke ich immer deutlicher, dass Paddeln eine ungewohnte Tätigkeit für meine Muskulatur ist. Ich spüre meine Arme sehr deutlich als ich endlich um 16.30 Uhr wieder am Bootsverleih ankomme.

 

 

Kakadu National Park – Vogelparadies mit Schönheitsfehlern

Am nächsten Morgen setzen wir unsere Fahrt zum Kakadu National Park fort. Von Süden kommend zweigt der Kakadu Highway bei Pine Creek in den Park ab. Die Strecke von Katherine Gorge bis zu dem Bereich um Yellow Water beträgt dann noch 265 km. Man sollte sich für diesen Park, der für viele Australienreisende ein absolutes Highlight darstellt, auf jeden Fall mehrere Tage Zeit nehmen. Der Park ist mit einer Fläche von ca. 20.000 km2 ungefähr so groß wie das Bundesland Rheinland-Pfalz (!). Das heißt, dass einige Zeit allein für das Hin- und Herfahren zwischen den interessanten Punkten des Parks drauf geht. Wir quartieren uns für 3 Nächte auf dem Campingplatz Cooinda Lodge ein.

Dieser National Park gehört zum UNESCO Weltkulturerbe sowohl wegen seiner reichen Tierwelt als auch wegen der kulturellen Bedeutung der zahlreichen Aborigines Felszeichnungen, die einen Zeitraum von 20.000 Jahren umfassen. Die Landschaft ist überwiegend flach. Im Osten und Süden des Parks gibt es eine durchschnittlich 100 m hohe Abbruchkante im Gelände. Dort verlief einmal die ursprüngliche Küste Australiens. Von diesem Hochplateau stürzen sich einige spektakuläre aber nur mit 4WD-Fahrzeugen zugängliche Wasserfälle in die Tiefebene. Wir sind zum Höhepunkt der Trockenzeit in den Park gekommen (Anfang September), so dass die Wasserfälle entweder gänzlich ausgetrocknet oder zu einem Rinnsal verkommen sind. Deswegen spare ich mir einen teuren Ausflug (>100 A$) mit einem Jeep zu den Wasserfällen.

Dafür ist September die beste Zeit für Vogelbeobachtungen. Auf den arg zusammengeschrumpften Wasserflächen (Billabongs) konzentrieren sich jetzt die Tiere wie zu keiner anderen Jahreszeit. Während der Regenzeit muss der Park komplett anders aussehen, wenn die weiten Ebenen bisweilen bis zu 3 m unter Wasser stehen. Einen ersten Vorgeschmack bekomme ich, als ich am Abend von der Cooinda Lodge noch einen Spaziergang zum Ufer des Yellow Water Billabong mache. Neben zahlreichen Vögeln fallen mir vor allem einige Wasserbüffel auf, Krokodile sehe ich (noch) keine. An mehreren Stellen lodern kleinere Buschfeuer, Rauchschwaden ziehen über die Landschaft und sorgen für einen blutrot gefärbten Sonnenuntergang.

 

Sonnenuntergang am Yellow Water Billabong

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, um an der Bootsfahrt Yellow Water Cruise um 6.45 Uhr ab Cooinda teilzunehmen. Im warmen Morgenlicht sehen wir eine Vielzahl von exotischen Vögeln, darunter die herrlich bunt gefiederten aber sehr kleinen Kingfisher, Magpie Gänse, Reiher, Jacanas (Jesusvögel) und auch einen Weißbrustseeadler. Besonders gefällt mir dabei der über einen Meter große und stilvoll gefärbte Jabiru, der australische Verwandte unserer Störche. Daneben ist der frühe Morgen auch die optimale Zeit, um die gefährlichen Salzwasserkrokodile („Salties") zu beobachten. Etliche von Ihnen liegen noch träge an den Uferbänken. Sie wärmen sich im morgendlichen Sonnenlicht auf und kommen so allmählich wieder auf Betriebstemperatur. Wenn es ihnen gar zu warm wird, dann klappen sie zur Temperierung das Maul auf, was besonders spektakulär aussieht. Oder sie schwimmen im Zeitlupentempo im Wasser herum. Unser Bootsführer kann bis auf ca. 1 Meter an sie heran navigieren.

Das Erstaunliche an der australischen Tierwelt ist die Tatsache, dass die meisten Tiere fast gar keine Scheu vor Menschen haben und man sehr viele, fast persönliche Kontakte mit der Tierwelt hat. Auf unserem Campingplatz können wir das auch erfahren, teilweise leider zu unserem Missfallen. Zuerst einmal wird man während der Trockenzeit tagsüber von einer Unzahl von penetranten Buschfliegen belästigt, die zielsicher das Gesicht, Nase und Ohren ansteuern. Die Plagegeister sind kaum zu vertreiben, so dass sich viele Besucher ein Fliegennetz für den Kopf kaufen und den Park danach durch grünes Fliegengitter betrachten. Am Abend ist dann Schichtwechsel und die Moskitos sind an der Reihe, sich an unserem Blut zu erfreuen. Glücklicherweise mögen die Moskitos Holgers Blut wesentlich lieber als meines. Wenn ich am Morgen vielleicht 2 Mückenstiche feststelle, hat er während der Nacht über 10 abbekommen.

Nach der Yellow Water Bootstour frühstücken wir erst einmal vor unseren Zelten. Dabei erleben wir eine weitere Attacke aus der Luft, die wieder Holger erwischt. Er hat sich gerade ein Käsebrot geschmiert als ein Greifvogel von der Größe eines Falken auf unseren Frühstückstisch herabstößt und ihm das fertige Brot zielsicher aus der Hand schlägt. Wenige Meter später lässt er es fallen, denn es passt doch nicht so ganz in seinen Speiseplan. Kurze Zeit später folgt eine zweite Attacke. Ab sofort halten wir unsere fertigen Brote unter den Tisch und schauen vor dem Abbeißen vorsichtig suchend nach oben. Wir fühlen uns an den Film "Die Vögel" von Alfred Hitchcock erinnert.

Oder man darf sich z.B. auch nicht wundern, wenn einem beim nächtlichen Toilettengang die nicht ungefährlichen australischen Wildhunde, die Dingos, auf dem Campingplatz begegnen oder neben der Mülltonne plötzlich ein großer Waran aus dem Gebüsch springt, wenn man mit der Mülltüte näher kommt.

Die besten Felszeichnungen der Aborigines gibt es am Nourlangie Rock und am Ubirr Rock zu sehen. Um etwas mehr darüber zu erfahren, nehmen wir an mehreren so genannten Ranger Talks teil, hierbei werden die Felsmalereien jeweils fachkundig von einem Ranger des Nationalparks erklärt. Wir besuchen den Ubirr Rock am späten Nachmittag und können später nach ein wenig Kraxelei von einem Felsplateau den Blick über eine riesige Flood plain schweifen lassen. Nur noch in der Mitte ist ein wenig Wasser zu sehen. Ich würde gerne wissen, wie es hier in der Regenzeit aussieht - mit bis zu 3 Meter höherem Wasserstand.

Nach 3 Tagen im Kakadu National Park fahren wir das letzte Stück nach Darwin weiter, und erreichen damit den nördlichen Wendepunkt unserer Australienrundfahrt. Auf dem Weg dorthin kommen wir noch an einem Abschnitt mit zahlreichen Termitenhügeln vorbei. Diesmal machen wir einen Fotostopp und schauen uns die 3-4 m hohen Gebilde mal aus der Nähe an. Ich frage mich, wieviele davon bewohnt sind und wovon die unzähligen Termiten leben mögen. Auch in der Region um den Undara National Park haben wir extrem viele Termitenhügel gesehen, welche jedoch nicht so groß waren, wie diese hier am Ausgang des Kakadu National Parks.

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